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Kirche in WDR 2 | 19.06.2026 | 05:55 Uhr
Beseitigung sexueller Gewalt
Heute ist kein schöner Gedenktag, sondern der Internationale Tag für die Beseitigung sexueller Konflikte. Es geht um Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Missbrauch oder auch Menschenhandel.
Gerade in der Kirche dürfen wir diesen Tag nicht übersehen. Haben sich doch vor kurzem wieder Abgründe aufgetan, als das Erzbistum Paderborn im März seine Studie vorstellte oder als sich der Franziskanerorden den Untersuchungen stellte. Etwa vier Prozent der Ordensbrüder haben sexuelle Gewalt ausgeübt. Schrecklich auch die katholischen Pfadfinder. Sie haben sogar angeboten, den Verband aufzulösen, wenn es den Opfern hilft.
Lange hat sich die Evangelische Kirche für die bessere gehalten. Inzwischen ist klar, dass dies eine Fehleinschätzung war und es höchste Zeit ist zu handeln.
Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim, hat schon 2018 gesagt: "Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche". Dies stieß natürlich auf Widerspruch, gilt die Kirche doch nach ihrer eigenen Lehre als heilig. So sah noch der Papst aus Deutschland, Benedikt der sechzehnte sexuelle Gewalt nicht als Problem des Systems Kirche, sondern als schlimme Verfehlung von einzelnen Menschen.
Mir gefällt das Wort von Bischof Wilmer. Denn ohne Gewaltenteilung ist eine freie Gesellschaft nicht möglich. Legislative, Exekutive und Jurisdiktion sind in demokratischen Staaten getrennt, in der katholischen Kirche nicht. Hier ist der Souverän Christus, nicht das Volk. Also ist der Missbrauch von Macht möglich. Natürlich versucht das Kirchenrecht Kontrollmechanismen einzubauen; aber es fehlt zum Beispiel eine Verwaltungsgerichtsbarkeit wie in demokratisch regierten Ländern.
Immerhin hat sich in den deutschen Diözesen viel getan. Es gibt feste Vorgaben der Prävention. Regelmäßig müssen alle haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden an Präventionsschulungen teilnehmen. Alle Kirchengemeinden haben ein Präventionskonzept erarbeitet. In jeder Pfarrei gibt es Präventionsbeauftragte. Bei uns sind es eine Psychologin, ein Lehrer und eine Leitende Betriebswirtin; alle drei nicht Angestellte, sondern Ehrenamtliche.
In vier Wochen beginnt wieder unsere Kinderstadt in den Sommerferien mit 500 Kindern. Alle Mitarbeitenden nehmen an einer Präventionsschulung teil. Nicht nur die hundert Gruppenleiterinnen, sondern etwa auch alle in der Küche. So gehört Missbrauch nicht zur DNA.
