Beiträge auf: wdr3
Kirche in WDR 3 | 16.05.2026 | 07:50 Uhr
Frieden
Guten Morgen.
Was mich umtreibt, wirklich umtreibt, ist, wie wir uns immer mehr an den Krieg als neue Normalität gewöhnen. Er taucht täglich in den Nachrichten auf: Ukraine, Gaza, Libanon, jetzt Iran. Über andere Kriegsschauplätze wird fast gar nicht mehr berichtet: Sudan, Kongo, Haiti.
Es gibt eine neue Aggressivität der Großmächte. Das Völkerrecht wird einfach gebrochen. Und wir geben angesichts dieser Entwicklungen Unsummen für Rüstung aus, um als Europa selbst verteidigungsfähig zu werden. Doch was tun wir eigentlich zur Förderung von Friedensfähigkeit?
Nach den Erfahrungen der verheerenden Weltkriege des letzten Jahrhunderts gab es die Einsicht: „Nie wieder Krieg!“ „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ So die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen 1948. Doch solche Appelle wirken angesichts der täglichen Nachrichten oft hilflos, fast naiv.
Es ist das Wesen des Krieges, Leben zu töten und Sinn zu zerstören. Deswegen müssen Worte scheitern. Kriege sind menschengemachte Gewalt von geradezu dämonischem Charakter. Sie traumatisieren weite Teile einer Bevölkerung oft über Jahrzehnte. Sie vernichten wahllos Menschen, Natur, Kultur, Häuser, Zukunft. Und ich merke:
Es ist wichtig, einer sich selbst bestätigenden Logik militärischer Gewalt entgegenzutreten.
Obwohl alle, oder fast alle, Menschen Frieden wollen, ist er eben nicht selbstverständlich.
Wir müssen ihn pflegen, hüten, schützen, bewahren – und suchen, immer wieder suchen.
Denn Frieden ist leicht zu zerstören, aber nur schwer und langwierig wieder zu gewinnen.
„Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ So sagt es Jesus am Anfang der Bergpredigt. Und das brauchen wir: Menschen, die sich für Frieden engagieren. Und Medien, die davon berichten.
Wir müssen lernen, wie man Konflikte vermeidet und, wenn es zu ihnen kommt, wie man wieder herausfindet. Und als Christ bin ich überzeugt: Wir brauchen Gemeinschaft, Gebet, Hoffnungsbilder und Lieder, damit wir nicht friedensmüde werden. Und damit unsere Kinder anders groß werden als nur mit Bildern von Krieg und Gewalt.
Schließen
möchte ich mit einem ökumenischen Glaubensbekenntnis von 1990, das mich in
meiner Hoffnung auf Frieden stärkt.
Ich glaube an Gott,
der die Liebe ist und der die Erde allen Menschen geschenkt hat.
Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,
an die Stärke der Waffen, an die Macht der Unterdrückung.
Ich glaube an Jesus Christus, der gekommen ist, uns zu heilen,
und der uns aus allen tödlichen Abhängigkeiten befreit.
Ich glaube nicht,
dass Kriege unvermeidbar sind, dass Friede unerreichbar ist.
Ich glaube nicht,
dass Leiden umsonst sein muss, dass der Tod das Ende ist,
dass Gott die Zerstörung der Erde gewollt hat.
Ich glaube,
dass Gott für die Welt eine Ordnung will,
die auf Gerechtigkeit und Liebe gründet,
und dass alle Männer und Frauen gleichberechtigte Menschen sind.
Ich glaube an Gottes Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde,
wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.
Ich glaube an die Schönheit des Einfachen,
an die Liebe mit offenen Händen, an den Frieden auf Erden.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Ihr Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Quellen:
Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Lutherbibel revidiert 2017, Stuttgart 2017.
Glaubenbekenntnis von Seoul, zitiert nach: https://freiburg.paxchristi.de/file/download/AMIfv96eFIu4_530iSJY7T4Ad8MDOp7z6u14fHy5URjEpIUc6gLByY8UCi-9SBoaRZ7_FcS3NcN3YQT6hZNNM5me4NtOUIO8r85-qmmnIp5_JohTlvkB58KF8MxUppjAApSvHw2SgpBEm7C1KdoLFeTOGqIJtikioWO_0y-cuNFYZmuXm8zMcp3ubOM1Twfx2YnYgVN2bBso0DYgURBVF7oBT18uIlyiaab5r-ezc6QGqW7oKqRZp4r-O28sA2y7DgNP81GDqOHMJWpAuZwKHNuOLUNel3DIVg/1990-01-01_Glaubensbekenntnis_von_Seoul.pdf?download=1
[zuletzt aufgerufen: 11.04.2026]
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
