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Kirche in WDR 3 | 30.03.2026 | 07:50 Uhr
Verspottet
Guten Morgen.
„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“, sagt man. Was hinter diesem Sprichwort steht, ist ja eigentlich furchtbar. Da kommt jemand zu Schaden und muss dann auch noch ertragen, dafür ausgelacht oder verspottet zu werden.
Auch Jesus – an dessen Leidensweg Christinnen und Christen in dieser Woche vor Ostern denken - muss auf seinem Leidensweg immer wieder den Spott anderer ertragen.
Römische Soldaten kleiden ihn wie einen König. Denn es wird ihm vorgeworfen, sich als Retter und König, als Sohn Gottes auszugeben. Er bekommt einen roten Soldatenmantel, der an den Purpurmantel eines Königs erinnert. Sie verleihen ihm eine Königskrone aus Dornen und einen Stock als königliches Zepter. Sie verbeugen sich vor ihm, bevor sie ihn weiter misshandeln, schlagen und bespucken. Sie verbinden Jesus die Augen, schlagen auf ihn ein und höhnen: „Na? Weissage uns, du Gottessohn: Wer von uns hat dich geschlagen?“
Selbst als Jesus schon am Kreuz hängt, geht es weiter: „Hilf dir doch selbst, wenn du Gottes Sohn bist.“ „Du Looser“ würden manche wohl heute sagen. Der Spott, den Jesus erleiden muss, geht tief und ist für mich, wenn ich davon lese und höre, nur schwer erträglich.
Wer spottet, sagt damit: Ich bin dir überlegen. Und manchmal werden mit dem Spott eigene wunde Stellen übertüncht. Spott hat etwas ungemein Zerstörerisches an sich. Nicht nur für den, der ihn erleidet, sondern auch für den Spötter selbst. Der verliert etwas zutiefst Menschliches – nämlich das Mitgefühl.
Die anglikanische Bischöfin von Washington, Mariann Edgar Budde, hat vor über einem Jahr an den frisch eingeführten Präsidenten Donald Trump appelliert: „Im Namen Gottes bitte ich Sie, haben Sie Erbarmen mit den Menschen in unserem Land, die jetzt Angst haben...“ Die Bischöfin stellt sich an die Seite der Einwanderer und queerer Menschen. Ihre Bitte hat nicht gefruchtet. Im Gegenteil: Der amerikanische Präsident kippt immer wieder Spott und Hohn über andere Menschen aus und macht dabei auch vor blankem Rassismus nicht Halt.
Mitgefühl ist das Gegenteil davon. Es amüsiert und profiliert sich nicht auf Kosten eines anderen. Mitgefühl denkt sich in einen anderen hinein und versucht, einem anderen zur Seite zu sein, ist solidarisch.
Jesus lebt in seiner Zeit auf Erden dieses Mitgefühl wie kein anderer. Er geht nicht auf Distanz zu den Menschen, die ihn brauchen, sondern lässt sie nah an sich heran. Er lässt sich berühren und fühlt mit, was die Leute bewegt und bedrückt.
Bis zuletzt antwortet Jesus auf den Spott, die Unmenschlichkeit und Brutalität seiner Gegner nicht mit Gewalt und Stärke. Er liefert sich dem aus, er-trägt es. Jesus sieht hinter dem unmenschlichen Verhalten der Spötter den Menschen, der letztlich hilfebedürftig ist. So bittet er noch am Kreuz: „Vater, vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (1)
Ich frage mich: Wo will ich stehen? Auf der Seite der Spötter oder auf der Seite des Mitgefühls? Jesus hat sich klar entschieden: Mitgefühl mit und für uns bis in die letzte Konsequenz. Er leidet mit uns und freut sich mit uns. Und in seinem Mitfühlen begegnet uns Gott.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5:)
Es grüßt sie herzlich,
Ihr Dietmar Arends aus Detmold.
Quellen
(1) Lukas 23,34 – Basisbibel 2017
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
