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Wenn mein Kind mich heute fragt …
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Hörmal | 21.06.2026 | 07:45 Uhr

Wenn mein Kind mich heute fragt …

Es ist ein sonniger Tag. Einer von diesen, an denen alles unbeschwert und leicht wirkt. Meine Tochter kommt am Nachmittag vom Inlineskaten mit einer Freundin nach Hause, noch außer Atem, die Wangen gerötet. Sie rollt die letzten Meter aus, bremst und lacht. An der Haustür sagt sie: „Wir haben über Krieg gesprochen, Mama. Und weißt du: Ich glaube, dass ich meinen eigenen Kindern irgendwann erzählen werde, dass ich den 3. Weltkrieg erlebt habe.“


Und ich … ich weiß in diesem Moment nicht, was ich sagen soll. Ich bin sprachlos und schaue sie an. Ein bisschen zu lange vielleicht. Ich ahne: Das ist kein kindlicher Gedanke, der vorüber geht. Das sitzt tiefer. Und braucht Raum.

Ich frage sie: „Wie kommst du darauf?“
Und sie erzählt. Was sie gehört hat. Was andere sagen. Was in der Schule besprochen worden ist. Und wie sich die Dinge in ihrem Kopf zusammengefügt haben. Sie spricht ohne große Pausen, fast hastig. So, als müsse sie alles erstmal loswerden.


Ich merke: Da ist nicht nur Neugier. Da ist Angst. Aber wie spricht man über Krieg – mit dem eigenen Kind? Ich bin völlig unvorbereitet. Und spüre diesen Impuls: „Ach, das wird schon nicht passieren.“ Aber das stimmt nicht. Denn ich weiß es nicht. Und ich habe selbst Angst.

Also setze ich mich zur ihr auf die Treppe. Die Stufen sind noch warm von der Sonne. Und wir bleiben einfach dort sitzen. Schulter an Schulter. Ich höre zu. Frage nach. Muss aushalten, dass mein Kind sich Sorgen macht und Angst hat.

Ich gestehe ihr, dass ich auch nicht alles erklären kann. Dass ich auch nicht alles verstehe und nicht weiß, wie die Dinge sich in unserer Welt entwickeln.

Und dann sage ich das Einzige, was ich sicher sagen kann: Du bist nicht allein! Wir sind zusammen!

Während wir so reden und eng nebeneinandersitzen, merke ich: Mehr geht nicht. Mehr habe ich nicht in der Hand. Keine Garantien, keine Sicherheiten.

Ich spüre: Ihre Angst ist nicht weg. Aber sie ist nicht mehr so groß wie vorher. Vielleicht, weil wir sie miteinander geteilt haben.


Wenn mein Kind mich heute fragt … dann bin ich da. Höre zu. Und halte mit aus. Auch, dass ich selbst nicht auf alles eine Antwort habe.
Mehr ist es nicht. Aber eben auch nicht weniger.



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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