Beiträge auf: wdr2
Hörmal | 29.03.2026 | 07:45 Uhr
Friedenskönig/Palmsonntag
Wer ist ein wahrer Friedensfürst? Heutzutage ist dafür die vielleicht verlässlichste Währung der Friedensnobelpreis. Und es ist ja allgemein bekannt, wie sehr Donald Trump nach der Medaille giert. Die jüngste Zeit zeigt leider umso mehr, wie wenig er den Preis verdient hat. Und wenn ich dann noch in die Ausschreibung schaue, dann wird das auch klar: Der Friedensnobelpreis geht „an denjenigen, der sich am meisten oder am besten für die Völkerverständigung und die Abschaffung oder Verringerung stehender Armeen sowie für die Einrichtung und Verbreitung von Friedenskonferenzen eingesetzt hat“.[1] So hatte das Alfred Nobel, der Stifter, in den Statuten festgelegt.
Ironie der Geschichte: Alfred Nobel hat das Kapital für seine Stiftung auch erwirtschaftet, weil er das Dynamit erfunden hat. Darauf hatte er die Patentrechte. Und wie sein Vater stieg auch er in die Rüstungsindustrie ein. Aber Alfred Nobel war überzeugt: „Meine Fabriken werden vielleicht dem Krieg noch früher ein Ende machen als … Kongresse: An dem Tag, da zwei Armeekorps sich gegenseitig in einer Sekunde werden vernichten können, werden wohl alle zivilisierten Nationen zurückschaudern und ihre Truppen verabschieden.“[2] Ich finde das kurios. Der Mann, der den Friedensnobelpreis gestiftet hat, der beruft sich auf das Prinzip: Kriege verhindern durch wechselseitige Abschreckung. Hat so ja tatsächlich auch eine lange Zeit geklappt. Aber ist der, der auf Abschreckung setzt ein Friedensfürst? Ein Friedenskönig?
Heute ist Palmsonntag. Da denken Christen weltweit daran, wie Jesus damals in Jerusalem eingezogen ist. Er hatte nicht aufs Pferd gesetzt, aufs Schlachtross der Großen und Mächtigen. In der Bibel steht (Mt 21,5; Sach 9,9): „Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“ Was für ein Kontrast zu den mächtigen Herrschern: Kein Kriegsherr auf hohem Ross, mit Armee und Machtansprüchen, sondern einer, der auf einem einfachen Lasttier reitet. Jesus hat nicht auf Abschreckung gesetzt, sondern auf Sanftmut: Den sanften Mut. Jesus wollte Frieden stiften unter den Menschen. Nicht mehr das Recht des Stärkeren soll gelten, sondern Barmherzigkeit. Daher sein Motto (vgl. Mt 23,11): Wer der Größte sein will, soll der Diener aller sein.
Und dass er für seinen sanften Mut auch damals keinen Preis gewonnen hat, sondern kurz darauf in den Tod ging, ist bekannt. Ob er das wusste, als er damals in Jerusalem eingezogen war und die Menge rief: „Siehe, der wahre Friedensfürst?“ Ich denke, er war absolut bereit, den vollen Preis zu zahlen. Jesus stellt eben alles auf den Kopf: Er setzt auf Ohnmacht, statt auf Macht. Er setzt auf Dienen, statt auf Herrschen, er setzt auf Frieden und nicht auf Krieg und Abschreckung. Ich weiß, das klingt alles sehr idealistisch und vielleicht auch naiv. Aber in einer kriegerischen Zeit wie heute ist es wichtig, an die wahren Friedensfürstinnen und -fürsten zu erinnern – nicht nur durch den Friedensnobelpreis. Denn Friedensfürstinnen und -fürsten kann man erkennen – würde ich als Christ sagen – an ihrem sanften Mut.
[1] Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensnobelpreis : “åt den som har verkat mest eller best för folkens förbrödrande och avskaffande eller minskning av stående arméer samt bildande och spridande av fredskongresser.. Übersetzung nach Deepl.
[2] Zitiert nach: https://www.deutschlandfunk.de/150-jahre-patent-auf-dynamit-erfindung-mit-sprengkraft-100.html .
