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Kirche in WDR 2 | 04.08.2026 | 05:55 Uhr
Mollimaus67
„Guck mal.“, sagt meine Bekannte und zeigt mir ihr Facebook-Profil. „Hab ich neulich gepostet.“
Ein kurzer Text über Toleranz und Miteinander. Dazu ein Bild von einem Regenbogen. So ist sie.
„Nett!“, sage ich. „Schön auf den Punkt gebracht.“ „Naja“, sagt sie. „Das finden nicht alle.“ „Was kann man denn gegen Toleranz und Respekt haben?“, frage ich noch. Und beginne, die Kommentare zu lesen: Einige kurze, freundliche Anmerkungen. Und dann kommt Mollimaus67. Von Toleranz und Respekt hält die offensichtlich gar nichts. Und macht das mehr als deutlich: Sie kritisiert nicht, sie wütet. Sie schimpft. Beleidigt. Und das alles in einem Tonfall, den ich kaum aushalten kann. Mein Adrenalinspiegel steigt. „Was ist das denn?“, frage ich. Und beginne eine lange Rede, dass das doch so nicht geht. Was für eine Unverschämtheit sowas ist. Und was ich dieser Mollimaus am liebsten alles zurückschreiben würde.
Meine Bekannte lässt mich ausschimpfen. „Und?“, frage ich noch einmal. „Was machst du jetzt?“ „Gar nichts.“, sagt sie. „Wie?“, frage ich. „Ärgert dich das denn gar nicht, was die schreibt?“ „Doch.“, sagt sie. „Natürlich. Nur, wenn ich jetzt auf die gleiche Art zurückschreibe, dann bin ich doch selber genauso wie sie. Aber ich möchte nicht so sein.“ Sie überlegt. „Vielleicht“, sagt sie, „frage ich Mollimaus einfach mal freundlich, was sie denn an Toleranz so stört. Und was sie besser findet, als Respekt.“
Ich schüttele den Kopf. Ich kann das nicht. Obwohl: Natürlich hat meine Bekannte Recht. Eigentlich. Eines der Kennzeichen von Hass ist die Herabwürdigung des anderen. Wenn man im Gegenüber nicht mehr den Menschen sieht, sondern nur noch einen Feind. Dann antwortet man auf Beschimpfung mit Beschimpfung, auf Verachtung mit Verachtung. Und das Gegeneinander wird immer größer.
Wenn man geärgert wird, gerät man leicht da hinein. Vergisst in seinem gerechten Zorn all das Gute, das man doch eigentlich für richtig hält. Dann hat der Hass gewonnen. „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ (Matthäus 5,44) Hat Jesus mal gesagt. Das bedeutet nicht, dass man jedes Unrecht und jede Unverschämtheit einfach freundlich schweigend hinnehmen muss. Aber Jesus erinnert daran: „Passt auf, dass nicht irgendwann Wut und Zorn bestimmen, wer man selber ist.“ Leicht gesagt, Jesus. Leicht gesagt. „Ich glaube, ich kann das nicht.“, sage ich noch einmal. Da lächelt sie nur: „Man muss es einfach immer wieder versuchen.“
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
