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Kirche in WDR 2 | 28.03.2026 | 05:55 Uhr
Kinoverkündigung
Colin ist schüchtern und wohnt noch bei seinen Eltern in der Vorstadt. Er macht wenig aus seinem Leben. Das plätschert eher nur so vor sich hin. Aber dann triff Colin in einer Bar den Biker Ray:
„Du warst also noch nie mit einem Biker zusammen? - Ein Biker? Nein.“
Um Colin ist es aber sofort geschehen. Das merken auch seine Eltern.
„Habt ihr euch geküsst? - Das geht euch wirklich gar nichts an, also...“
Doch eine herkömmliche Liebesbeziehung ist das nicht, was sich da zwischen den beiden Männern entwickelt. Mit Liebe hat das ganze sogar recht wenig zu tun, eher mit Unterwerfung. Davon erzählt der Film "Pillion", der seit dieser Woche im Kino läuft. Der Titel verrät es schon: Ein "Pillion" ist jemand, der als Beifahrer auf dem Motorrad mitfährt. Es geht also um diese Ungleichheit, die Ray und Colin leben. Ray macht die Regeln, Colin wird sein Sklave. Dieses Verhältnis zieht sich durch den ganzen Alltag.
„Wenn du ruhig bist, kannst du auf dem Boden schlafen. - Dem Boden?“
Ray nimmt Colin mit in eine Welt aus Abenteuer und sexueller Ekstase, fernab der spießigen Vorstadtwelt. Auf dem Motorrad sind sie frei und immer unterwegs. Dafür muss Colin emotional zurückstecken.
„Ich hab mich gefragt, ob du vielleicht mal zum Abendessen bei meinen Eltern mitkommen würdest. - Ich glaube, das ist keine gute Idee.“
Deshalb kommen ihm Zweifel.
„Colin, wenn du nicht glücklich... - Ich bin glücklich. Ich wäre gerne nur noch ein bisschen glücklicher.“
Beziehungen können ganz
unterschiedlich sein. Schon die Bibel erzählt von Konstellationen, die mit dem
„klassischen katholischen Familienbild“ eher nicht gedeckt sind. Interessant
ist: Selbst das katholische Kirchenrecht besagt: „Der Konsens macht die Ehe“.
Darauf kommt es an.
Was am Ende zählt,
ist, dass sich alle dabei wohlfühlen. Das gilt nicht nur in Sachen Liebe und
Körperlichkeit, sondern immer im Zwischenmenschlichen. Colin und Ray legen ihre
Prioritäten immer wieder in die Waagschale – und die kann zu einer Seite
wegknicken. Dann heißt es aktiv werden, in sich hinein horchen, miteinander
sprechen. Sonst scheitert da ein Modell, bleibt einer auf der Strecke. In so
einer gleichzeitig eng geführten wie fragilen Beziehung liegt das nahe.
Insbesondere, weil sie generell beäugt wird. Doch im Alltag bleibt diese
Reflexion oft aus. Im Rausch der Schnelligkeit – nicht nur auf dem Motorrad –
ist es oft zu laut für die leisen Töne. Wir leben zu sehr miteinander und
nebeneinander hin, um jedes Zeichen zu sehen, jede Regung zu fühlen, den
Konsens zu halten. Dafür braucht es Raum. Es lohnt sich, innezuhalten und zu
spüren: Geht es mir eigentlich gut? Fühlt sich das richtig an? Und mutig genug
für eine ehrlichen Antwort zu sein.
