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Sonntagskirche | 03.05.2026 | 08:55 Uhr
Gott ins Herz
Guten Morgen!
Bei Lea ist was los. Drei ihrer Freundinnen heiraten im Mai. Jetzt sitzt Lea im Park auf einer Bank. Da sind Herzen reingeschnitzt mit Buchstaben A und T oder J und E. Gedankenversunken malt Lea ein Herz in den Blütenstaub auf der Bank.
L und, ja, wer? Da ist niemand in ihrem Leben.
Da war mal einer, aber rasch scheucht sie den Gedanken weg, tut noch weh.
Als sie wieder hoch schaut von ihrem Herz auf der Bank, steht eine alte Dame vor ihr.
„Darf ich mich setzen?“ Die alte Dame schaut auf das gemalte Herz auf der Bank und sie kommen ins Gespräch. Lea erzählt ihr von den drei Freundinnen, die heiraten. Die alte Dame sagt: „Ich war auch verheiratet, aber mein Mann ist sehr früh gestorben.“ „Und dann? Haben Sie dann noch mal einen Mann kennengelernt?“, fragt Lea. „Nein“, hat sich irgendwie nicht ergeben", sagt die alte Dame. "Aber Sie, sind Sie traurig, dass Sie jetzt niemanden da hineinschreiben können in Ihr Herz?", fragt die alte Dame. Lea sagt: "Ja, schon. Ist doch irgendwie blöd, so'n L ganz alleine."
Die alte Dame sagt: "Ich wüsste schon, wen Sie in das Herz hineinmalen könnten."
"Ja?", sagt Lea.
"Da kann ein Buchstabe hin, den ich auch in meinem gemalten Herzen stehen hätte.“
Lea ist neugierig.
Die alte Dame sagt: „Wissen Sie, ich glaube an Gott. Ich glaube daran, dass er mich begleitet, auf meinem ganzen Lebensweg schon. Und das ist ja auch eine ganz wichtige Beziehung.“ Lea denkt nach: Ob sie eine Beziehung zu Gott hat? Sie hat gehört: Geschichten von Jesus, Geschichten von Gott im Kindergarten, in der Schule. Sie mag die Geschichten, und sie mag die Vorstellung, dass Gott sie begleitet in ihrem Leben und vielleicht auch irgendwie ein bisschen führt.
Die alte Dame sagt: „Das ist ja vielleicht doch die längste Beziehung, die wir haben. Eine Beziehung, die vor unserer Geburt begonnen hat und die nach unserem Tod weitergeht. Das hoffe ich jedenfalls. Also eigentlich könnten sie doch in das Herz auch Gott reinschreiben.“ „Ja, aber welchen Buchstaben nehme ich denn da?“, sagt Lea, „G für Gott oder J für Jesus?“ - „Sie könnten auch ein Symbol nehmen, sagt die alte Dame, zum Beispiel einen Fisch. Der Fisch ist eines der ältesten Symbole für Jesus Christus. Oder zum Beispiel ein Kreuz. Oder die griechischen Buchstaben Alpha und Omega, der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, die symbolisieren auch Jesus Christus als Anfang und Ende von allem. Also, es gibt verschiedene Symbole für Jesus oder für Gott. Schreiben Sie es so, wie Sie es mögen. Sie können ja selbst mal überlegen, welche Beziehung habe ich zu Gott und wie würde ich ihn nennen. Das ist ja auch ganz individuell“, sagt die alte Dame.
Lea beschließt, weiter darüber nachzudenken und findet es ganz tröstlich zu wissen: Sie kann einen zweiten Buchstaben in das Herz hineinschreiben. Es ist jemand an ihrer Seite. Seit vor ihrer Geburt und - so hofft sie auch -, auch nach ihrem Tod. Eine schöne Idee von der alten Dame.
Sie unterhalten sich noch ein wenig über dies und das. Und dann verabschiedet sich Lea.
Sie muss noch ein Kleid kaufen für die Hochzeiten ihrer Freundinnen.
Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen.
