Aktuelles
Nicht einfach weg
--
X
-----

Beiträge auf: wdr5 

katholisch

Kirche in WDR 5 | 29.08.2026 | 07:55 Uhr

Nicht einfach weg

Am Morgen, wenn der Tag noch nicht entschieden ist, da gehen einem ja manchmal merkwürdige Gedanken durch den Kopf. Oder auch Sätze. Als Seelsorger bekomme ich da einige zu hören. Zum Beispiel: „Du, der und der ist gestern ganz plötzlich verstorben. Bei diesem Satz stocke ich jedes Mal. Und manchmal ärgert er mich auch. „Nee“, sage ich dann, „das weiß ich so nicht. Ich weiß nur: Er ist gestorben. Eines natürlichen Todes. Vielleicht ist er einfach eingeschlafen. … Aber verstorben?“

Wie kommen wir eigentlich darauf, aus einem Menschen, der gestorben ist, einen „Verstorbenen zu machen? Niemand sagt: Der hat sich verstorben. So, wie einer sich vertan oder verlaufen hat. Woher kommt dieses „Ver-“?

Für mein Ohr klingt das nicht besonders freundlich. Man kann sich versprechen oder verrechnen. Man kann jemanden vergessen, verraten, verschweigen. Etwas verblasst, verklingt oder verschwindet. Lauter Wörter, in denen etwas schief oder verloren geht … — oder einfach weg ist. Und dann soll ausgerechnet ein Mensch „verstorben“ sein? Als hätte er sich mit seinem Sterben vertan.

Natürlich meint das niemand so. „Verstorben“ soll respektvoll klingen. Nicht so hart. Das Wort soll uns vor der Unmittelbarkeit des Todes schützen. Es schafft ein wenig Abstand. Da freut es mich natürlich, wenn sich Familienangehörige und Freunde in Trauergesprächen aus solchen sprachlichen Barrieren lösen können. Wie befreiend das oft wirkt! Niemand muss sich angesichts des Todes hinter Wortfassaden verstecken.

Wenn wir den Tod nicht mehr sprachlich verstecken, können wir ihn als Teil der Lebensgeschichte verstehen. Denn auch das Sterben gehört zu einem Menschen. Es macht sein Leben nicht ungeschehen. Es löscht nicht aus, was er geliebt, durchgestanden und anderen mitgegeben hat. Genau das sollte doch — wie ich finde — zur Sprache kommen.

Der Apostel Paulus, der bei meinen Beerdigungen gelegentlich auftritt, hat dafür ein merkwürdiges Wort. Ein ziemlich altes noch dazu. Er spricht nicht von den „Verstorbenen“, sondern von den „Entschlafenen (1 Thess 4,13; 1 Kor 15,51). So würden wir heute vermutlich nicht mehr reden. Aber der Gedanke, der da drinsteckt, der ist wunderbar.

Paulus versteckt den Tod nämlich nicht. Er weiß, dass diese Menschen gestorben sind. Und er weiß, wie weh das tut. Aber er schiebt sie nicht mit einem „Ver-(storben) aus dem Leben hinaus. Er spricht von ihnen als Menschen, die nicht einfach verschwunden sind. Sondern hinübergehen in eine unsichtbare Gestalt. Im Schlaf steckt schon die Ahnung eines neuen Morgens.

Das ist keine Erklärung dafür, was nach dem Tod geschieht. Paulus stellt auch keinen Fahrplan für die Ewigkeit auf. Er gibt der Trauer eine Richtung: Ihr müsst euch das Leben nicht schönreden. Ihr dürft den Tod beim Namen nennen. Aber ihr müsst einen Menschen deshalb noch lange nicht verloren geben.

Mit dieser Hoffnung wünsche ich Ihnen und vor allem denen, die trauern, einen guten Morgen.

Ludger Verst aus Köln

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen (Kirche im WDR)
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen