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Kirche in WDR 2 | 05.02.2026 | 05:55 Uhr
Verbündete
Die Tür geht zu. Und plötzlich sind nur noch Männer im Raum. Die Atmosphäre verändert sich. Die Stimmen werden lauter, die Witze derber und die Urteile schneller. Es fallen sexistische Sätze, die abgerundet werden mit: Das wird man doch wohl mal sagen dürfen. Und keiner kontert. In ihrer Arbeit mit Männern haben die Autoren Vincent Immanuel Herr und Martin Speer solche Situationen oft erlebt. Ihre Beobachtung ist nüchtern: Viele Männer leugnen Sexismus. Jedoch nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sie ihn nicht erleben. Wer nicht betroffen ist, hält das Problem für gering. Für lange überholt. Für übertrieben. Wer Privilegien gewohnt ist, hält sie für normal.
In ihrem Buch „Wenn die letzte Frau den Raum verlässt“ beschreiben die Autoren, was das ist: Sexismus. Und sie zeigen auf, was Männer dagegen tun können.
Der erste Schritt ist erstaunlich leicht – zugleich radikal: Einfach mal den Frauen zuhören. Ihnen glauben. Und Aushalten, dass die eigene Perspektive nicht die ganze Wahrheit ist.
„Wir brauchen mehr Männer als Verbündete in Sachen Gerechtigkeit. Und zwar aller Generationen,“ sagen die Autoren. Und ich ergänze: Ja, wir brauchen Männer, die mit anderen – mit Frauen und Männern über Sexismus sprechen. Männer, die Frauen als gleichwertig ansehen und mit ihnen gemeinsam diese Welt gestalten – wo auch immer: im Büro, im öffentlichen Raum, in der Liebesbeziehung.
Gleichberechtigung ist kein Zeitgeist. Gleichberechtigung ist ein alter biblischer Gedanke: Gott* schuf den Menschen als göttliches Ebenbild – in einer Vielfalt von Geschlechtern, von männlich bis weiblich. Ohne Hierarchie, sondern mit Würde auf Augenhöhe. Mit der Verheißung, dass wir alle eins sind in Christus.
Wir brauchen alle Geschlechter, um die Probleme unserer Zeit zu lösen - nicht nur männliche Blickwinkel und Entscheidungen, von denen meist Männer profitieren. Wenn die letzte Frau den Raum verlässt, bleibt eine Frage zurück: Wie wollen wir als Menschen sein?
Die Antwort: Anderen zuhören. Sie ernstnehmen. Miteinander und voneinander lernen - in dem Vertrauen darauf, dass sich dann etwas ändert – auch für Männer. Die Perspektive ist verheißungsvoll: Die Beziehungen werden ehrlicher, es gibt weniger Druck und mehr Freiheit für alle!
Quellen:
https://www.ullstein.de/werke/wenn-die-letzte-frau-den-raum-verlaesst/paperback/9783550203060 (zuletzt aufgerufen abgerufen am 09.01.26)
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
