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Kirche in 1Live | 07.04.2026 | floatend Uhr
All White Party
Ich war noch nie auf einer All-White-Party, aber ich stelle mir das ziemlich riskant vor: Alle tragen nur weiße Sachen und jedem ist klar: Ein kleiner Fleck – den sieht man sofort. Also, ich wäre da ziemlich angespannt – ich stelle mich doch schnell mal ungeschickt an. Trotzdem: Alle in Weiß, das ist natürlich schick. Wahrscheinlich steht die Farbe Weiß deshalb auf der einen Seite immer so für Reinheit, für Perfektion und auf der anderen Seite für Freude und Feiern. Das ist auch der Grund, wieso Weiß die Farbe für Ostern ist. Viele Kirchen sind weiß geschmückt, auf Bildern sieht man den auferstandenen Jesus oft in einem weißen Kleid, und auch Taufkleider oder Erstkommunionkleider sind meistens weiß.
Das Weiß für Ostern bedeutet aber nicht einfach: Jetzt ist alles perfekt und makellos. Wenn das so wäre, dann wäre ich vermutlich sofort raus. Mein Leben ist nämlich eher wie ein weißes Hemd nach einem langen Abend: Zerknittert und ganz sicher nicht mehr makellos. Ich mache Sachen falsch, sage etwas, das ich nachher gern zurücknehmen würde. Oder würde manches anders entscheiden.
Ostern heißt für mich aber: Du musst das nicht verstecken. Du musst nicht so tun, als wärst du perfekt. Die große Geschichte der Auferstehung von Jesus, wie das Leben den Tod überwindet, die lässt mich glauben, dass wir im Leben nicht komplett scheitern können. Dass meine Fehler, das nicht so Schicke an mir, im Kern bedeutungslos sind. Vielleicht ist das der eigentliche Mut hinter der Farbe Weiß: sich sehen zu lassen. Nicht, weil man perfekt ist. Sondern weil man weiß, dass man es nicht ist.
Christian Schröder, Aachen
