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Kirche in 1Live | 08.09.2026 | floatend Uhr
Schwester Euthymia
Wenn Ihr gerade in Münster seid und jetzt losgehen würdet zum
Zentralfriedhof, dann könntet ihr sehen: Auch heute brennen da an einem Grab
total viele Lichter. Das waren sogar mal so viele, dass die Kapelle über dem
Grab abgebrannt war. So beliebt ist dieser Ort.
Wer da liegt? Maria Euthymia. Die stand nie auf einer großen
Bühne, hat nichts gegründet und hatte keine Führungsposition inne. Ihr Leben
war unscheinbar und trotzdem hat sie viele bewegt. Maria Euthymia war
Ordensschwester. Sie hat viele Jahre in einem katholischen Krankenhaus in
Dinslaken gearbeitet. Auf der Isolierstation: Da sind die harten Fälle, besonders
damals, im Zweiten Weltkrieg. Kriegsgefangene, die von ihr gepflegt wurden,
nannten sie „Engel der Liebe“.
Nach dem Krieg wurde Maria Euthymia quasi zwangsversetzt. In die Wäscherei der Raphaelsklinik in Münster. Aber sie hat die Wäscheberge mit genauso viel Hingabe weggearbeitet, wie sie zuvor die Kranken gepflegt hat. Überliefert ist von ihr der plattdeutsche Satz: „Dat kann ick wuoll!“
Maria Euthymia hat angepackt. Sie war eine ganz Einfache. Und dabei: einfach fromm. Eine Kümmerin mit gutem Draht nach oben. Und sie wurde irgendwann sogar selig gesprochen. Morgen ist ihr Gedenktag. Und noch heute gehen Leute in Münster zu Maria Euthymia, zünden eine Kerze an, tanken Kraft und etwas „Dat kann ick wuoll“ für das, was kommt.
Daniel Gewand, Senden
