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Hörmal | 06.09.2026 | 07:45 Uhr
Grund zum Hoffen
Tja…heute ist Wahltag. In Sachsen-Anhalt. Und ich hoffe noch auf kleine Wunder. Weil Guido hofft. Mein katholischer Kollege beim MDR, beim Mitteldeutschen Rundfunk. Vor Monaten hatte ich Guido schon mal gefragt, ob wir gegebenenfalls O-Töne vom Bischof von Magdeburg haben könnten, wenn die AFD haushoch gewinnt.
Und Guido, mein Kollege, war fast ein bisschen verärgert: „Wenn wir jetzt schon mit dem Schlimmsten rechnen, geht uns schon vorher die Puste aus. Wir wollen das Ding doch noch drehen“. Ich war ehrlich gesagt etwas verdattert. Denn ich hatte gedacht, Guido würde sagen: „Ja klar – kein Problem.“
Aber: Guido hatte mit meiner Anfrage ein Problem. Kein Technisches, oder so. Er sah das Problem quasi…in der Richtung des Hoffens. Und das fand ich spannend. Denn das ist mal sowas von christlich. Und demokratisch auch.
Denn Guido sieht es nicht als Naturgesetz, dass die Wahl heute zur Katastrophe wird. Und dass damit vielleicht die Dinge in Deutschland ins Wanken kommen. Viel mehr als ich vielleicht bezieht er sich selbst in die Rechnung mit ein. Und alle, die sich an der Wahl beteiligen. Deren Wahlentscheidung wird womöglich doch nicht nur von braunen Algorithmen beeinflusst und von düsteren Prognosen, sondern auch noch von einem gesunden Menschenverstand. Und von Mitmenschlichkeit.
Das Menschliche nicht aus dem Blick zu verlieren, dafür werben die christlichen Kirchen in Sachsen-Anhalt schon seit Wochen. Obwohl Christen in dieser Region eine kleine Minderheit sind – Katholiken machen dort 3 Prozent aus, z.B., sind die Kirchen einer der Player in der Gesellschaft, die die Flinte nicht ins Korn werfen. Und Guido wollte mir damals ja nur sagen: Meine Energie, die brauche ich, die brauchen wir Demokratiefreunde, gerade für Besseres.
Ich kenne Guido jetzt schon einige Zeit. Und manchmal, wenn wir zusammenkommen, dann erzählt er, wie es war; als Katholik in der DDR. Wie Veranstaltungen, etwa auch harmlose Gospelkonzerte, gesprengt wurden von der Obrigkeit. Weil Christen der DDR-Regierung suspekt waren: a) weil sie an etwas glaubten und b) weil sie gut vernetzt waren – auch über den eisernen Vorhang hinweg.
Dass der christliche Glaube nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht immer Sinn macht, das muss ich wohl nicht erzählen. Wissenschaftler rechnen nicht mit Wundern. Aber allein Ostern – die Botschaft: Jesus hat den Tod überwunden – ist ja mal ne ziemliche Ansage. Und gerade daraus ziehen Christen wie Guido ihre Kraft. Nicht jammern, hoffen!
Vor gut 50 Jahren haben die deutschen Katholiken einen Text verabschiedet bei ihrer Synode in Würzburg. „Unsere Hoffnung“ heißt der. Und der hat bis heute Kraft. Darin heißt es: „Der Gott unseres Glaubens ist der Grund unserer Hoffnung, nicht der Lückenbüßer für unsere Enttäuschungen.“ Vielleicht wird dieser Satz heute Abend, nach der ersten Hochrechnung, noch mal ganz anders gebraucht.
