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Kirche in WDR 3 | 31.07.2026 | 07:50 Uhr
Kühles Museum in der Gluthitze
Am letzten Juni-Wochenende, als die Glut-Hitze auch Köln im Schwitzkasten hatte, da hab ich einen Trick angewendet: Weil sich in den Freibädern die Leute gestapelt hatten, bin ich ins Museum gegangen. Kunst braucht konstante Temperaturen. Museen sind gerade an Sonnentagen oft wenig besucht – das sparen sich die meisten für Regenwetter auf. Also: auf zum Wallraf-Richartz-Museum! Als ich es betrete: Was für eine Wohltat! Was für eine Kühle! Was für eine Ruhe! Was für eine Kunst!
Ich weiß nicht, ob Sie das Wallraf-Richartz kennen. Es ist sowas wie die „Mutter aller Kölner Museen“. Es verdankt sich dem Priester und Universalgelehrten Ferdinand Franz Wallraf, der irrsinnig viel für Köln bewirkt hatte und nach seinem Tod 1824 seine riesige Kunstsammlung der Stadt vermacht hatte. Schon oft war ich hier zu großen Ausstellungen, oder auch einfach mal so.
Und so finde ich schnell das Gemälde aus Wallrafs Sammlung, das
ich sehen will bei der Hitzehölle, draußen: „Der Heilige Antonius, von Dämonen
gepeinigt“. Ein Gemälde von 1520. Ein wildes Bild: Der Wüstenvater Antonius
umgeben von Dämonen, die wie fast wie Monster aussehen: in Scharlachrot, in
stechendem Gelb. Sie jagen ihn, fast verzehren sie ihn:
Antonius leidet auf dem Bild höllische Qualen.
Es gab sogar mal eine Krankheit, die danach benannt wurde, was auf dem Gemälde zu
sehen ist: Das „Antoniusfeuer“; ausgelöst durch den „Mutterkorn-Pilz“ im
Getreide. Wenn Menschen das aßen, dann litten sie an höllischen Hitzewallungen.
So gequält wie auf dem Gemälde. So stellte ich mir das jedenfalls so vor
angesichts der Hitze draußen an diesem Hitzewochenende.
Und dann? Nun, ich will ja nicht so schnell wieder raus in
die Gluthitze. Also fange ich an, Tempo rauszunehmen bei meinem Besuch. Ganz
bewußt bummle ich. Auch wenn ich das Museum und die Sammlung schon kannte,
entdecke ich erst jetzt ganz viele Details auf Bildern, die ich sonst eher
links liegen gelassen hatte: z.B. die herrlichen Winterlandschaften der
niederländischen Meister. Bei 40 Grad Außentemperatur starre ich also auf
Menschen beim Eisstockschießen auf zugefrorenen Seen. Oder: Stadtansichten von Köln
im Hintergrund von Altarbildern, die sich nur erschließen, wenn man auch mal
auf die Details schaut. Und: Was für eine Wohltat –
die kühlen Farbtöne der Impressionisten – das Wallraf-Richartz-Museum
hat von denen die größte Sammlung in Deutschland!
Ok. Das ist heute schon wieder einen Monat her, aber ich erzähle jetzt davon, weil nach diesem Wochenende erstmal Schluss ist mit der Chance auf einen Besuch. Das Wallraf-Richartz schließt für mindestens drei Jahre: Sanierung. Ich werd’s vermissen…
Aber: Ich erzähle auch davon, weil mir bei meinem bummelnden Blick auf die Kunstwerke auf einmal klar geworden ist:
In so einem Museum ist es ja wie bei Menschen auf der Straße. Meist nehme ich sie gar nicht richtig wahr. Meist sind es mir zu viele, meist suche ich bestimmte Menschen, die ich treffe. Nur selten nehme ich mir die Muße, Menschen bewusst in Augenschein zu nehmen: als, ja, ein Kunstwerk der eigenen und wunderbaren Art. Glauben Sie mir: In den Tagen danach bin ich ganz anders durch Kölns Straßen gegangen. Und das macht was mit einem: Menschen einmal wirklich zu sehen. Und über sie zu staunen – in all ihren Facetten.
Vom Wallrafplatz in Köln grüßt Sie Klaus Nelißen
