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Kirche in WDR 2 | 24.07.2026 | 05:55 Uhr
Zivilcourage auf Dänisch
1943: Dänemark ist von den Deutschen besetzt. Im Herbst kommt die Nachricht: Die dänischen Juden und Jüdinnen sollen verhaftet und deportiert werden: Männer, Frauen, Kinder. Ganz normale Menschen wie du und ich. Etwa 7.800 Menschen sind bedroht.
Doch die Nachricht bleibt nicht geheim. Ein deutscher Diplomat verrät die Pläne an dänische Politiker und den Widerstand. Nur wenige Tage bleiben.
Und dann passiert etwas Erstaunliches. Pfarrer verstecken jüdische Familien in Kirchen. Ärzte nehmen Menschen in Krankenhäusern auf. Studierende werden zu Boten. Nachbarn öffnen ihre Wohnungen. Für Freunde. Für Bekannte. Für Menschen, die sie kaum oder gar nicht kennen.
Nachts fahren Fischerboote mit den Verfolgten über den Øresund nach Schweden. Vier Kilometer in die Freiheit, ins neutrale Schweden. Immer mit dem Risiko, entdeckt zu werden. Immer mit der Angst vor Gefängnis oder Schlimmerem.
Viele Rettungsgeschichten handeln von einzelnen Heldinnen und Helden. Diese Geschichte ist anders. Hier rettet nicht einer. Hier retten Tausende. Ein ganzes Land zeigt Zivilcourage.
Mich berührt das. Denn: Die Menschen damals sind keine Superhelden gewesen. Natürlich haben sie Angst gehabt. Angst aufzufliegen, aber sie haben trotzdem gehandelt.
Warum? Vielleicht weil sie in den Verfolgten zuerst den Menschen gesehen haben.
Wo erleben wir das heute? Vielleicht viel zu wenig. Aber sicher bei den Menschen, die Geflüchtete unterstützen. Die immer noch Sprachkurse geben, Wohnungen suchen oder bei Behördengängen helfen. Bei denen, die an den Außengrenzen Europas Menschen aus dem Meer fischen und medizinisch versorgen. Bei der Nachbarin, die regelmäßig nach dem alten Herrn von nebenan schaut.
Die große Rettungsaktion in Dänemark hat damit angefangen, dass viele einzelne Menschen gesagt haben: Ich kann nicht alles tun. Aber ich kann etwas tun. Manchmal reicht genau das.
Und vielleicht ist das eine der wichtigsten Botschaften überhaupt: Dass Zivilcourage und Nächstenliebe nicht erst dann beginnen, wenn wir Großes leisten. Sondern wenn wir den Mut haben, den Menschen neben uns wahrzunehmen. So wie damals in Dänemark.
Quellen:
https://www.deutschlandfunk.de/vor-75-jahren-tausende-daenische-juden-wurden-vor-der-100.html
https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article247704204/Daenemark-1943-Wie-tausende-Juden-vor-dem-Holocaust-fluechteten.html
(Alle zuletzt abgerufenen am 26. Juni 2026)
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
