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Toni und die besten Pommes
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Sonntagskirche | 25.10.2026 | 08:55 Uhr

Toni und die besten Pommes

Es gibt diese kleinen Momente aus der Kindheit, die fühlen sich später größer an als so mancher Geburtstag. Etwa der Tag, an dem ich zum ersten Mal mit meinem eigenen Geld an der Pommesbude stand. Die Münzen lagen warm und schwer in der kleinen Kinderhand, vielleicht ein bisschen zu oft nachgezählt, damit auch wirklich alles reichte. Dann der Moment: ein paar Worte, ein Griff nach dem Geld, das Klappern der Münzen auf der Theke – und plötzlich gehörte diese Portion Pommes ganz allein mir.

Und bis heute weiß ich, wie der hieß, der mir die ersten Pommes verkauft hat. Es war Toni, eigentlich Antonis. Toni kam aus Griechenland, war bei uns in Lobberich am Niederrhein groß geworden. Dieser Ort und seine Menschen waren ihm Heimat. Zweite und richtige Heimat, neben seinem geliebten Griechenland. Und für mich war Toni damals vor allem eins: unglaublich nett. Dieser große Toni beugte sich zu mir über die Auslage mit den Leckereien herab. Auf einmal stand man mit seinen acht Jahren im Mittelpunkt.

„Wie geht’s dir, mein Freund?“ – Das fragte er mich, wie er es immer wieder fragte. Und genau so war es gemeint… und das hab ich gespürt. Was sollte ich, als kleiner Junge schon mehr sagen, als „Gut!“ Und natürlich: „Eine kleine Pommes mit Mayo auf die Hand bitte!“ – Und das gab es dann auch. Und weil ich nicht an die Theke reichte, brachte Toni die Pommes herum und wünschte guten Appetit. Und den, den hatte ich. Mit Toni bin ich irgendwie großgeworden. Mit ihm, und seinen Köstlichkeiten. Später zog er um und ein paar Straßen weiter. Mit Vera, seiner Frau, bereitete er ab da in der Nähe unseres Krankenhauses seine Leckerigkeiten zu. Es wurde noch mal kulinarischer. Ein Gyros, wie man es selten findet. Tolle Salate… und wenn ich das sage, dann läuft mir das Wasser im Mund zusammen. „Wie geht’s dir mein Freund?“ – das hat er viele gefragt und es war ihm wichtig. Wahrscheinlich würden Tonis und Veras Kochkunst ausreichen, um ein ganzes Restaurant zu betreiben. Die beiden taten es nicht. Sie blieben ihrem kleinen Imbiss treu. Und den Menschen.

In der Apostelgeschichte lese ich:

„Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.“

Vielleicht war das ein wenig so mit Toni. Mit seiner Leidenschaft und Freunde, seinem Interesse und seiner Art die Menschen ein wenig zu retten. Und das nicht nur vom Hunger. „Wie geht es dir, mein Freund?“ – höre ich ihn fragen, wenn ich an seinem Imbiss vorbeifahre. Toni ist im Frühjahr gestorben. Viel zu früh und das hat viele berührt. Es schmeckt aber noch immer auch ein wenig nach Toni, denn Vera kocht weiter und vielleicht muss das auch so sein. Das hat was von unverlierbarem und „ewigem Leben“, finde ich zumindest. Und so stelle ich es mir vor.


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