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Kirche in WDR 2 | 17.12.2025 | 05:55 Uhr
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Michaela Bans: Live beim Weihnachtswunder
Am Mittwochmorgen, 17.12., sprach
Michaela Bans live im "Glashaus" in Essen beim WDR2-Weihnachtswunder .
Guten Morgen, Michaela Bans, aus Nottuln bei Münster. Heute live hier aus Essen.
Ich freue mich, wieder am Finaltag hier im Glashaus zu sein! Heute hätte ich uns am liebsten eine münsterländische Herrencreme mitgebracht. Aber so eine Portion Rum zum Frühstück ist ja eher schwierig. Deshalb ist es nur die Gabel hier geworden. Manches an diesen Weihnachtswundertagen erinnert mich nämlich an den Trend aus diesem Sommer: Da haben sich ja wildfremde Leute zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort in getroffen, um zusammen Pudding mit der Gabel zu essen. Als ich davon gehört habe, habe ich erstmal gedacht: Was ist das denn für ein Quatsch! Bis mir klar wurde, worum es dabei eigentlich geht: Nämlich, dass man zusammenkommt, statt aneinander vorbeizuleben.
Und genau da setzt Ihr beim Weihnachtswunder an: Zig Tausende Menschen krempeln ihre Ärmel hoch, um dem Hunger in der Welt zusammen was entgegenzusetzen. Und Hunger gibt es ja auf ganz unterschiedliche Weise: Manchen fehlt es an Essen, Kleidung, Bildung. Und vielen eben auch an dem Gefühl, wirklich verbunden zu sein mit anderen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Hier lässt sich Verbundenheitsgefühl tanken, auch ohne Pudding und Gabel in der Hand: „Wir gemeinsam gegen den Hunger, für Gerechtigkeit!“ Das ist das Gegenteil vom Ohnmachtsgefühl, das einen ja überkommen kann, wenn man auf die eigenen Probleme schaut und vor allem auf die großen Notlagen, die es weltweit gibt.
Aus den letzten Jahren weiß ich: Die Erfahrungen dieser Tage hier gehen noch lange mit, egal, ob man vor Ort dabei ist oder am Bildschirm. Das geht jedenfalls mir so. Aber wie ist das bei Euch Moderatoren?
Kurzes Gespräch darüber…
Ich glaube, eine Erfahrung gräbt sich tief ein, wenn man ganz dabei ist. Und das ist auch eine Form von Hunger, unter dem viele leiden: Den Hunger nach etwas, das ich „Jetztzeit“ nenne- Mal ganz im Moment sein meine ich damit. Und das passiert hier laufend: Menschen, die ganz versunken mitsingen und auch mitheulen. Ob zuhause oder hier auf dem Domplatz. Jeder merkt sofort: Es tut gut, sich lebendig zu fühlen. Ein Kontrastprogramm zum ewigen To-do-Listen abarbeiten, Serien gucken oder durchs Handy scrollen. Ganz da sein und zusammen etwas bewegen. Darum geht’s doch! Diese Tage bringen uns in unsere Bestform in Sachen Menschsein. Das Weihnachtswunder ist wie eine Art Reha fürs Menschsein- Euch sollte es eigentlich auf Rezept geben!
Wenn ich an diesem Finaltag ein Fazit ziehen darf, dann dieses: Wir sollten keine Form von Hunger einfach hinnehmen. Uns nie damit abfinden. Und ihr vier als Moderatorenteam seid uns da ein grandioses Beispiel. Der Teamspirit, der von Euch ausgeht, steckt an. Und deshalb sage ich stellvertretend für ganz viele: Danke fürs so sein, wie Ihr seid! Und allen zuhause: Die Zeit ist reif für ein Ganzjahreswunder – Lasst uns verbunden bleiben, lasst uns 365 Tage Mensch bleiben. Und das nächstes Jahr beim Weihnachtswunder in Jetztzeit wieder so richtig feiern – vielleicht ja in Münster, das wär’s!
