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Kirche in WDR 5 | 20.10.2026 | 06:55 Uhr
Aufräumen!
Zimmeraufräumen! Großes Geschrei bei der einen, Gemurre bei der anderen. Aber ab und zu muss es einfach mal sein, sage ich. Das kommt jedoch nicht gut an bei den beiden Kindern, die bei mir leben.
Wofür ist noch mal der Schreibtisch da? Schreiben und Basteln wird hier jedenfalls schwer. Dieser Schreibtisch: eine riesige Ablagefläche für gelesene Bücher, abgelegte Spielzeuge, gemalte Bilder, viele Stifte, Haargummis und in der zweiten Schicht das angefangene Puzzle auf dem Puzzlebrett. Ebenso sehen Regale und der Boden aus… und dann habe ich noch nicht vom Sofa voller abgelegter Kleidung gesprochen. Alleine wird meine Tochter da überhaupt nicht Herrin der Lage. Ich muss helfen. Und dann geht es wirklich gut. Sie ist bereit, Dinge wegzuwerfen, die sie nicht mehr braucht oder unbrauchbar sind (wobei das im Auge der Betrachterin liegt). Sie sortiert mit mir, freut sich über Wiedergefundenes und Wiederentdecktes und erzählt so manch eine Geschichte von der Herkunft der Fundstücke. Irgendwann ist es dann geschafft, das Zimmer sieht tatsächlich aufgeräumt aus und es kommt ein “jetzt fühle ich mich wieder viel wohler“. Ich schmunzle in mich hinein, denn sie hat mir vorher glaubhaft versichert, dass sie es so schön findet und gar nicht aufräumen muss.
Warum ich davon erzähle, hier bei „Kirche im WDR“? Weil Aufräumen sicherlich auch wichtig ist in Gottes „Haus“: der Kirche. Aufräumen und Sortieren steht auch hier an. Es ist doch so: manch ein Kirchengebäude, eine Gemeinde, landet derzeit auf dem Stapel, „wird aussortiert“. Klingt hart – ist aber Realität. Die Gründe sind klar: sie werden nicht mehr genutzt. Die Einen sind froh darüber und der andere vermisst schmerzlich, was wegfällt. An vielen Orten gibt es ein Hauen und Stechen um Fragen wie: welche Kirche wird weiter genutzt? Welcher Gottesdienst fällt weg – einfach, weil keiner mehr kommt?
Geistlich gesehen fehlt mir dann in meiner Kirche oft der Mut, an der einen oder anderen Stelle zum Loslassen und Aussortieren. Ich bin Dominikanerin. Unser Orden hat sich der Armut verschrieben. Dem Loslassen. Auch, damit Neues wachsen kann.
Ziel ist es ja, dass sich wieder Menschen wohl fühlen in der Glaubensgemeinschaft Kirche. Menschen, die müde geworden sind von „zu viel“ und „zu eng“, von „zu wenig“ und „zu alt“. Kirchen sind keine Museen mit dem Schild „anfassen verboten“. Sie sind keine Rumpelkammern für die Frommen. Sie sollen Lebensräume sein! Für lebendigen Glauben. Wo kein Leben ist: macht Platz! Lasst was wachsen!
Mein Kind sagt, sie hätte nun wieder mehr Platz zum Basteln und kann sich es auf dem Sofa gemütlich machen. Und was beginnt eine Gemeinde neu, wenn der Kirchenraum geschlossen wird? Wie wäre es, wenn wir in der Kirche wieder anfangen, Gott Platz zu geben – um mit ihm die Höhen und Tiefen des Lebens durchzuspielen, zu teilen, zu preisen und zu beweinen? Und ich mag das Bild vom „Haus Gottes“. Kirche ist viel zu oft zu wenig „gemütlich“ … gerade in den jetzigen Prozessen.
Aber ich bin mir sicher: wenn der Verlustschmerz und die Verlustangst einmal abgeebbt sind, dann kann Neues entstehen. Weniger institutionell, weniger hierarchisch. Das wünsche ich mir – und es wird Zeit! Da darf Altes neu entdeckt werden oder eben aussortiert. Von daher, liebe Kirche: „Zimmer aufräumen!“ schallt es - diesmal vom Glockenturm ?.
Kommen Sie gut in den Tag, Ihre Sr. Jordana Schmidt aus Krefeld.
