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Kirche in WDR 2 | 14.10.2026 | 05:55 Uhr
Trotzdem – Martin Luther King
Ihr kennt das vielleicht auch. Manchmal liege ich nachts wach, kann nicht mehr einschlafen und die Welt fühlt sich einfach nur schwer an. Die Nachrichten sind voller Krisen und Katastrophen, der Job ist stressig und im Kopf kreisen die Sorgen. Eine „sternlose Mitternacht“ hat Martin Luther King das mal genannt. Eine Dunkelheit, in der man einfach kein Licht mehr sieht.
Als Martin Luther King diesen Satz im Winter 1964 aufschreibt, hat er allen Grund, verzweifelt zu sein. In seiner Heimat werden Menschen wegen ihrer Hautfarbe schikaniert und ihrer Rechte beraubt, er selbst wird bedroht, ins Gefängnis gesteckt. Und trotzdem steht er dann in Oslo, um den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Und sagt diesen Satz:
„Ich weigere mich zu glauben, dass die Menschheit so tragisch an die sternlose Mitternacht … gebunden ist, dass der strahlende Morgen … niemals Wirklichkeit werden kann.“
„Ich weigere mich.“ Was für eine Kraft in diesen drei Worten steckt. Martin Luther King wartet nicht darauf, dass das Licht von alleine wieder angeht. Er entscheidet sich ganz bewusst gegen den Zynismus. Gegen das Gefühl, „dass man ja sowieso nichts ändern kann“. Er setzt der sternlosen Dunkelheit ein trotziges „Und ich hoffe trotzdem!“ entgegen.
Ich glaube, genau dieses „Trotzdem“ brauchen wir heute auch. Hoffnung ist nicht nur ein gemütliches Gefühl für sonnige Tage. Hoffnung ist harte Arbeit. Sie ist eine Entscheidung. Zu sagen: Ja, die Nacht ist gerade verdammt dunkel. Aber ich weigere mich, zu glauben, dass es so bleiben muss. King hat damals über die „sternlose Mitternacht“ von Rassismus und Krieg gesprochen. Übrigens hat er genau heute vor über 60 Jahren, am 14. Oktober 1964, vom Nobelpreis erfahren.
Vielleicht können wir heute ein bisschen Martin Luther King sein. Uns weigern, bei der schlechten Laune und der Ausgrenzung mitzumachen. Einem lieben Menschen sagen, dass wir an ihn glauben. Auch denen, die vielleicht fürchten müssen, dass sie in unserem Land nicht willkommen sind. Ich sage: Ihr seid willkommen. Also zündet ein kleines Licht an, wo es gerade dunkel ist. Denn der Morgen kommt. Und die Sterne werden wieder funkeln. Ganz bestimmt.
Quellen:
https://www.dadalos-d.org/deutsch/Vorbilder/Vorbilder/mlk/nobelpreis.htm (zuletzt abgerufen
am 4. September 2026)
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
