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Kirche in 1Live | 02.07.2026 | floatend Uhr
Lachen gegen die Angst
Als Stephen Colbert vor ein paar Wochen seine Late Night Show beenden musste, da war ich einer von denen, die getrauert haben. Denn Stephen Colbert war nicht nur Entertainer, sondern auch so was wie ein moralischer Kompass in turbulenten Zeiten.
Es gibt eine Szene aus seiner Show, die hab ich mir schon oft angeguckt: Vor ein paar Jahren war Dua Lipa zu Gast und hatte mal eben die Rollen getauscht. Sie wollte nämlich wissen, ob sein Humor und sein Glaube zusammenhängen. Und er hat etwas gesagt, das mich seitdem nicht loslässt. Trauer ist so etwas wie ein kleiner emotionaler Tod. Aber: Selbst der Tod ist keine Niederlage. Jedenfalls nicht, wenn man einen Weg findet, zu lachen. Weil Lachen die Furcht fernhält. Und Furcht, sagt Colbert, ist das, was uns dazu bringt, die Trauer zu betäuben. Mit Alkohol, mit Ablenkung, mit Lärm – mit allem, was dafür sorgt, dass wir den Schmerz nicht wirklich fühlen müssen. Die Versuchung kenne ich leider auch.
Das Lachen, das er meint, ist kein Sarkasmus, kein bitteres Grinsen. Sondern eher so eine Leichtigkeit, die entsteht, wenn ich dem Schweren ins Gesicht schaue. Dann merke ich: Es hat nicht das letzte Wort. Dieses Lachen sagt nicht „Ist doch eh alles egal". Es sagt: „Ich sehe das alles, aber ich lasse mich nicht davon beherrschen."
Für Colbert hängt das direkt mit seinem katholischen Glauben zusammen. Mit der Überzeugung, dass selbst der Tod keine Niederlage ist. Dass man das Leben im Licht der Ewigkeit sehen kann. Er wird mir fehlen.
Christian Schröder, Aachen
