Beiträge auf: wdr4
Kirche in WDR 4 | 14.10.2026 | 08:55 Uhr
Einmalig
Guten Morgen,
ich fasse es nicht. Es gibt mich nochmal. Von Zeit zu Zeit google ich meinen Namen im Internet. Und heute sehe ich da außer meinem eigenen noch ein anderes Gesicht zu meinem Namen. Der Name ist gleich: Genauso geschrieben. Vor- und Nachname. Obwohl ich keinen der typischen Allerweltsnamen habe, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es meinen Namen nochmal gibt. Das ist mir spätestens klar, seit ich weiß: Es gibt in meiner Familie ein Geschwisterpaar, das es mit Vor- und Nachnamen genauso nochmal gibt. Wenn man so liest, wie jemand anderes den eigenen Namen so selbstverständlich auch trägt, das haut so richtig rein. Tief im Innern dachte ich doch, ich bin einmalig. Darüber tröstet mich auch nicht hinweg, dass mir meine Eltern ja noch einen zweiten Vornamen gegeben haben, der mich - das hoffe ich nun wirklich - wieder unterscheidet. Aber jetzt mal ruhig Blut, hab` ich mir dann gesagt. Was sollen denn die sagen, deren Namen es vielleicht hundertfach gibt oder die den Vor- und Nachnamen ihres Vaters und Großvaters tragen, der immer weiter vererbt wird, also wie Klaus der I., II., III.. Jetzt besinne Dich mal drauf, was Dich eigentlich einmalig macht und warum Dir das wichtig ist. Im Gottesdienst zum Christopher-Street-Day in Krefeld haben wir die Verschiedenheit und Buntheit aller Menschen gefeiert. Dass jeder Jeck anders ist. In der Art zu denken, zu fühlen, zu lieben, im Stil und im Aussehen, schrill oder unauffällig, gestyled oder ganz natürlich, politisch interessiert und aktiv oder künstlerisch versponnen, in sich gekehrt oder am liebsten mit anderen zusammen, mit je eigenem Musikgeschmack oder Lieblingsgericht, der passenden Sportart, den Gaben und Fähigkeiten und, und, und. Es wurde auch ein Mensch getauft. Kurz entschlossen fand er, das ist das richtige Setting! Hier kann ich sein, wie ich bin und werde so akzeptiert, da möchte ich dazu gehören. Ihm wurden die Worte von Gott zugesagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Die Bibel Jesaja 43,1)
Da ist er wieder der Name. Und ja, wenn mich jemand ganz persönlich meint, spricht er oder sie mich mit meinem Namen an. Und das tut gut. Ich werde gesehen, wahrgenommen, bin in dem Moment gefragt. Und das mit meiner ganz individuellen Persönlichkeit, die es nur einmal gibt auf der Welt, auch wenn der Name öfter vorkommt. Gott kennt jeden Menschen bei seinem Namen, sieht und liebt jedes seiner Geschöpfe in seiner Einzigartigkeit, so bunt wie wir sind. Und wenn ich in den Spiegel schaue, dann darf auch ich mich lieben, so, wie ich mich da sehe. Beim CSD-Gottesdienst haben wir uns so im Spiegel betrachtet. Uns selbst, und die, die sich darin auch noch gespiegelt haben. Und wir haben uns gegenseitig zugesagt: Du bist gut, so wie du bist, denn Gott hat dich genau so gewollt und gemacht. Und jetzt liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wie sehr würde das unser Miteinander verändern: Wenn ganz viele Menschen sich selbst und die anderen respektieren, achten und lieben – einfach so wie sie sind. Einmalig.
Ihnen einen gesegneten Tag. Ihre Barbara Schwahn, Krefeld.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
