Aktuelles
Von Panama, der Weite und vom Pilgern
--
X
-----

Beiträge auf: wdr5 

katholisch

Das Geistliche Wort | 26.07.2026 | 08:40 Uhr

Von Panama, der Weite und vom Pilgern

Was Janosch, bzw. eine Bananenkiste mit dem Wallfahrtsort Kevelaer zu tun hat, darüber möchte ich heute sprechen, liebe Hörerinnen und Hörer.Und dazu schauen wir mal in das berühmteste Kinderbuch des Autors, der dieses Jahr 95 Jahre wurde:
„Panama“, sagte der kleine Bär, „Panama ist unser Traumland. Denn in Panama riecht von oben bis unten alles nach Bananen!“

So beginnt die Geschichte vom kleinen Bären und vom kleinen Tiger aus der Feder von Janosch. Eine Kindergeschichte und dazu eine meiner Kindheitsgeschichten, dieses Buch „O wie schön ist Panama“.

Als Tiger und Bär eine einfache, eher gammelige Holzkiste mit der Aufschrift PA-NA-MA finden, geht ihnen plötzlich etwas ganz anderes auf: Ist der Alltag nicht irgendwie zu eng? Obwohl sie in ihren vier Wänden eigentlich alles haben, um glücklich zu sein. Aber, die alltäglichen Routinen lähmen Tiger und Bär. Abgestumpft und verloren in immer gleichen Eindrücken und Abläufen beginnen sie das Träumen. Die Kiste: ein Impuls. Und dazu: eine Vison. Und schon liegt den beiden der Duft von Bananen in der Nase. Das reicht aus, dass die beiden sich erlauben, sich für einen neuen Raum zu öffnen.

Musik 1:Prelude from Partita in E Major -
Jacques Loussier

Der erste Raum, der sich im Kinderbuch „O wie schön ist Panama“ öffnet, ist zunächst jener Raum, in dem sich der Mut und die Energie zum Aufbruch entfalten können. Tiger und Bär erlauben sich zu suchen. Sie erlauben sich, nicht alles zu haben, zu wissen, zu besitzen und zu können. Ihr Mut für diese Mission, er wächst mit dem Beginnen.

In ihrem Haus am Fluss da hatten es Bär und Tiger eigentlich gemütlich. Doch nun machen sie sich auf den Weg und suchen Panama, das Land ihrer Sehnsucht und ihrer Träume. Auch unterwegs öffnen sich den beiden Räume in denen sich etwas ereignet. Aber: wo eigentlich ist Panama? Die Frage wird unterwegs lauter und sie suchen Hilfe. Der Fuchs, die Kuh, die Maus – sie alle wissen nichts davon. Am Ende hilft ihnen scheinbar nur die Krähe weiter mit einer kurzen und knappen Wegbeschreibung. Sie bleiben unterwegs.

Musik
2:
Reprise von Prelude from Partita in E Major -
Jacques Loussier

Aber jetzt genug von der Geschichte. Wir sind ja beim „Geistlichen Wort“ und nicht in „Janoschs Traumstunde“ – vielleicht erinnert sich der ein oder die andere noch an die gleichnamige Kindersendung. Wobei: Janosch ging es eigentlich nie darum, reine Kindergeschichten zu schreiben. Genau wie Kindermund, tut oft auch Kinderbuch ein wenig Wahrheit kund. Und klar ist: Wir Menschen brauchen Weite. Wir Menschen brauchen Raum, um zu atmen, um kreativ zu sein, um Neues zu entdecken und zu entwickeln.

Und weil das so wichtig ist, hatte ich mich auch für ein besonderes Motto ausgesprochen, in meiner Funktion als Wallfahrtsreferent in Kevelaer am Niederrhein. Gemeinsam mit den nord-westdeutschen Wallfahrtsorten suchen wir schon seit Jahren immer ein gemeinsames Motto für die Wallfahrtssaison. Und diesmal haben wir „Raum geben“ ausgewählt. Die Skepsis war hier und da groß. „Wie? Kein Bibelzitat in diesem Jahr?“. Aber wir Verantwortlichen für die vielen Orte waren uns am Ende sehr einig:
Das Motto ist umso sinnvoller, als dass wir in unseren Zeiten wohl eher die Erfahrung machen, dass uns Raum genommen wird. Hier geht es nicht mehr um Kisten mit Bananenduft, nicht um Panama und Janosch. Hier geht es um den realen Alltag. Es wird enger und enger und die Luft zum Atmen bleibt uns sprichwörtlich weg.

Da sind die großen Sorgen unserer Zeit. Die Kriegs- und Krisengebiete. Der Blick in den Nahen Osten, die Ukraine und in so viele andere Länder auf der Erde. Da ist eine zunehmende Radikalisierung und Extremisierung, nicht nur in Deutschland. Die geschürte Angst vor dem oder den Fremden. Ideologien, die wir eigentlich überwunden glaubten, sie werden immer lauter.
Am Ende steht auch die Frage: Was wird aus Europa? Da ist die Sorge um unsere Schöpfung… Es wird eng um uns! Uns fehlt der Raum, der uns Atem holen lässt und am Ende Orientierung schenkt.

Musik 3:
"Aus tiefer Not schrei ich zu Dir" -
Felix Mendelssohn Mendelssohn

Nicht Tiger und Bär nehmen immer mehr Raum ein, sondern die Trumps und Putins dieser Welt. Aber nicht nur die: Raumfresser sind auch unsere eigenen Sorgen und Nöte. In Kevelaer, wo seit Jahrhunderten Menschen mit ihren Sorgenpäckhen hin pilgern, da steht über dem Gnadenbild der Mutter Gottes in großen Lettern: „Consolatrix afflictorum“ – „Trösterin der Betrübten“. Das ist quasi der „Markenkern“ unserer Wallfahrt. Dieses kleine Bild vom großen Trost versucht sich als Raumöffner für alles, was in der Welt kaum einen Platz hat. Wer sagt schon gern, dass er oder sie am Ende der Kräfte ist; am Ende des Mutes, der Inspiration? Ausgebrannt, ideenlos, gelähmt, traurig oder depressiv? Wer sagt das? Und vor allem: Wem kann ich das sagen?

Dass es dieses Trostbedürfnis in all der Sorge gibt, das erfahren wir besonders in der Wallfahrtszeit. Tag für Tag. Deshalb kommen die Menschen zu uns und machen sich auf den Weg. Sie verlassen ihre Alltäglichkeiten und die eigenen vier Wände für eine Weile, für nur einen oder wenige Tage. Aber: Sie brechen auf und gönnen sich den Aufbruch aus der Enge. So viele von den Pilgerinnen und Pilgern berichten es: „Wenn man erstmal losgeht, den Kopf in den Wind hält und in Bewegung ist… dann ist da auf einmal Weite.“

Ist Kevelaer also näher an Panama gebaut als gedacht? Ist Pilgern so etwas wie die Suche nach dem „Land der Träume“?

Wer hat nicht diese Phasen, wo man sich zunehmend unwohl fühlt in den „eigenen vier Wänden“? Wo der Raum fehlt für echtes Leben? Wo einem die Decke so dermaßen auf den Kopf fällt, dass aufbrechen an der Zeit wäre. Wie bei Tiger und Bär. Mit dem ungebrochenen, kindlichen Mut in der Geschichte. Sie sind wirkliche „Raum-Sucher“. Auf der Suche nach einem Raum mit Mehr-Wert.

Wer aufbricht zu einem Anders-Ort, sei es nach Kevelaer am Niederrhein, Telgte in Westfalen, oder Santiago in Spanien, der wird ja von etwas gelockt. Von einer Sehnsucht. In Janoschs Geschichte lockt der vermeintliche Duft von Bananen aus der Kiste. Welcher Duft lockt Pilgerinnen und Pilger zu ihrem Aufbruch?...es kann ja nicht nur der Duft vom berühmten Kevelaerer Honigkuchen sein…. Da muss doch mehr Sehnen sein. Und überhaupt: Was könnte meine „Bananenkiste“ sein, die mich aus meiner Komfortzone lockt?

Musik 4:"Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten" aus der Kantate: „Jesu, der du meine Seele" – J.S.Bach

Vielleicht haben Sie ja gerade nicht nur Lust auf Bananen bekommen, sondern auch eine erste Idee, was es braucht um mal wieder der Enge zu entfliehen und Weite zu erfahren?

Schon die Bibel kennt diese Sehnsucht nach Weite. Der Prophet Jesaja zum Beispiel, der hat einmal ganz einfache Ratschläge gegeben. Er sagte:

„Mach den Raum deines Zeltes weit, spann deine Zelttücher aus, ohne zu sparen! Mach deine Zeltseile lang und deine Zeltpflöcke fest!
Denn nach rechts und links breitest du dich aus.
(Jes 54,2-3)

Jesaja lädt ein, etwas größer, deutlich weiter, und um ein Vielfaches besser in die Zukunft zu blicken, als uns das oft im Alltagstrott gelingt. Die uralten Ratschläge aus der Feder des Propheten kommen da gerade recht. Auch wenn wir meist in Eigenheimen leben – und das Zeltleben nur in den Sommerferien kennen vom Campingplatz. Jesaias Bild trägt auch heute.

Den Raum des Zeltes weit machen, die Zelttücher ausspannen und um Himmelswillen nicht sparen, so schlägt er vor. Da kann bedeuten, in all dem Schweren, in allem Chaos, in allem Erdrückenden und in aller Ratlosigkeit noch offen zu sein und zu hoffen. Vielleicht auch erst mal zu suchen? Ist da noch irgendwo Platz und Raum für mehr in meinem Leben? Die Antwort auf diese Frage werde ich wohl nur erfahren, wenn ich das mit der Weite großzügig angehe und mir Weite gönne.

Aber sicher: solche Experimente erhöhen das Risiko, und zwar nicht zu knapp. Wer Ahnung von Zelten hat, weiß: unter weite, ausgespannte Zeltplanen setzt sich allzu gern der Wind. Eine energische Böe und es reißt die ganze Plane empor. Dann ist man im übertragenen Sinne obdach-los und ungeschützt.

Deshalb ist Jesaja’s zweiter Rat so wichtig: Er weist darauf hin, zusätzlich auch die Pflöcke des Zeltes fest zu machen. Das bedeutet ja: „Natürlich! Sorge für Sicherheiten!“

Musik 5:
"Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten" aus der Kantate: „Jesu, der du meine Seele" – J.S.Bach

Dass Jesaja ziemlich realistisch bleibt in dem, was er rät, beruhigt mich doch irgendwie sehr. Denn erst, wenn man beide Ratschläge liest, klingt der Plan gut durchdacht. Klar ist: Weite bringt natürlich auch immer ein unwägbares Risiko mit sich. So ist das beim Zeltbau, aber erst recht im Leben. Das Leben ist kein Ponyhof und auch kein Kinderbuch. Da geht nicht immer alles gut aus. Und trotzdem: Weite ist uns versprochen.

Lebensklug betet der 18. Psalm: „Gott führt mich hinaus ins Weite“ (Ps 18,20)
..und kurz darauf: „Der Herr macht meine Finsternis hell“, um dann zu sagen: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern.“ (Ps 18,29). Was für ein mutmachendes Bild.

Ich bin mir sicher: Gott schenkt immer wieder den Reiz und die Möglichkeit, über die Enge herauszuwachsen. Und wer sich fest macht in Gott, für den wird das „Abenteuer Leben“ kein waghalsiges Himmelfahrtskommando. Wer diese Weite wagt, dem gibt dieser Gott Raum für seine Füße. Wer diese Weite wagt, den lässt unser Gott auch im Scheitern nicht alleine.

Echte Weite geht nur in wirklicher Freiheit. Echte Freiheit braucht aber Sicherheit. Beides zu haben, das macht Mut.

Musik 6:
"Esurientes" aus: „Kevelaerer Magnificat“ - Elmar Lehnen und Bastian Rütten

Wenn ich Pilger sehe, die nach Tagen des Über-sich-Hinaus-Gehens ihr Ziel erreichen, dann erfahre ich: Ein Aufbruch lohnt immer. Er eröffnet Möglichkeiten und hilft dabei, die Enge zu besiegen. Wer losgeht, braucht Mut. Wenn ankommt, der kann (im wahrsten Sinne des Wortes) was erleben. Das erfahren die vielen Pilgerinnen und Pilger, die man hier in Kevelaer am Ziel beobachten kann. Oder an den vielen anderen Wallfahrtsorten in NRW. Da fällt was ab und der unsichtbare Rucksack leert sich. Das gibt Raum um aufzutanken und viel mitzunehmen: Mut, Kraft, Eindrücke, Klänge, An- und Einsichten… Einfach Dinge, die Mut machen und trösten.

Am Ende noch einmal zurück zu Bär und Tiger. Zurück zu Janoschs Abenteuergeschichte, die eigentlich gar nicht so kindlich ist. Am Schluss der Geschichte, da finden beide, was sie suchen. Und wer die Geschichte kennt, der weiß, wie sie endet. Der Autor Janosch stellt die entscheidende Frage: „Wo kommt man eigentlich aus, wenn man links und links, links und nochmal links geht? Richtig! Da wo man losgelaufen ist!“. Die beiden sind letztlich im Kreis gelaufen und kommen in ihrem eigenen Zuhause und in Ihren Alltäglichkeiten wieder an. Sie erkennen ihre eigenen Wände allerdings nicht wieder aber sind sicher: „Jetzt sind wir im Land unserer Träume. Hier haben wir alles, was das Herz begehrt!“. Vielleicht geht es auch vielen Pilgerinnen und Pilgern so? Das, genau das, möchte eine Wallfahrt und das Pilgern ja eigentlich erreichen. Nicht die Flucht vor dem Alltag, sondern das Entdecken von Ressourcen um genau diesen Alltag zu meistern.

Musik 7:„Bereitet die Wege“ aus der Kantate „Bereitet die Wege, bereitet die Bahn“ BWV 132

Wenn Sie jetzt vor dem Radio gerade eine Prise Bananen-Duft in der Nase haben, dann kommt das gerade zur rechten Zeit. Wir sind am Anfang der Ferien und: mitten drin in der Wallfahrtszeit 2026. Viele Wallfahrtsorte warten darauf, Ihnen einen Raum zu öffnen. Von Kevelaer am Niederrhein, bis Telgte im Münsterland. Von Werl im Sauerland über Stiepel im Ruhrgebiet
bis Neviges an der Grenze zum Niederbergischen Land. Da tut sich mächtig Raum aus. Und Sie? Sie sind willkommen!

Aus Kevelaer grüßt Sie, Ihr Bastian Rütten.

Musik 8:„Bereitet die Wege“ aus der Kantate „Bereitet die Wege, bereitet die Bahn“ BWV 132

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen (Kirche im WDR)
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen