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Sonntagskirche | 14.06.2026 | 08:55 Uhr
Du bist gewollt
„Mein Regenbogen soll ein Zeichen sein“ (Gen 9,13): Der Juni steht ja seit geraumer Zeit schon im Zeichen des Regenbogens. Willkommen im Pride Month– dem Monat der Vielfalt. Die Regenbogenfahnen und viele Veranstaltungen erinnern gerade daran, dass jeder Mensch das Recht hat, so zu sein, wie er ist – ohne Angst, ohne Verstecken, ohne Scham.
„Mein Regenbogen soll ein Zeichen sein“ ist aber ein Zitat aus dem ersten Buch der Bibel und nicht von der queeren Community, die den Pride-Monat ins Leben gerufen hat. Und obwohl Gott Noah den Regenbogen als Zeichen geschenkt hat, tun sich noch immer viele in meiner Kirche schwer mit den bunten Farben der Diversität, für die dieser Bogen mittlerweile steht. Dabei finde ich: Es handelt sich hier doch um eine zutiefst christliche Botschaft. Ganz am Anfang der Bibel im Buch Genesis lese ich: „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut.“ Gott sah ALLES an – es geht hier also nicht nur um die Welt allgemein, nein, der Mensch gehört ausdrücklich dazu. Nicht nur die Schöpfung ist gut – der Mensch ist von Anfang an als gut gewollt.
Nicht erst dann, wenn Du Dich angepasst hast. Nicht erst dann, wenn Du in ein bestimmtes Bild passt. Sondern genau so, wie Du bist. Jesus hat Menschen nie gefragt: „Passt Du ins System?“ Er hat gefragt: „Was brauchst Du?“ Er hat Menschen gesehen, die sonst übersehen wurden. Er hat Nähe geschenkt, wo andere Abstand gehalten haben. Er hat deutlich gemacht: Gottes Liebe kennt keine Schubladen. All die bunten Farben in diesem Monat erinnern mich daran, wie wichtig das gerade heute ist. Wo ganz schnell bewertet, eingeordnet und abgegrenzt wird. Wo Menschen sich rechtfertigen müssen für das, was sie sind.
Also: mehr hin- als wegsehen. Zuhören statt urteilen. Und Räume schaffen, in denen Menschen einfach sein dürfen. Denn da, wo ein Mensch spürt „Ich darf hier sein“ – dort wird etwas von Gottes Liebe sichtbar. Vielleicht in einem offenen, ehrlichen Gespräch. In einem freundlichen Blick, einer Geste, im Mut, Haltung zu zeigen, wenn andere ausgegrenzt werden. Gottes Liebe ist größer als unsere Schubladen. Und sie gilt allen Menschen.
Dir. Mir. Und allen anderen auch.
