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Kirche in WDR 2 | 02.07.2026 | 05:55 Uhr
Du bist mir wichtig!
Jan heiratet. „Ok“, mag sich jetzt der eine oder andere denken: „Und was soll ich jetzt mit dieser Info anfangen?“ Die Skepsis wird wahrscheinlich auch nicht geringer, wenn ich ergänze, dass meine Frau und ich eingeladen sind. Ist schließlich auch nichts, was man wissen muss, um den Tag zu überstehen. Vielleicht ist das aber anders, wenn ich Ihnen ein wenig mehr erzähle. Jan kennen wir nämlich schon seit seiner Geburt. Seine Mama und meine Frau sind beste Freundinnen – und deshalb war Jan schon als kleiner Junge ziemlich häufig bei uns zu Hause. Als ich in einem verregneten Sommer begann, meine Kinder in die Welt der Fantasy-Rollenspiele einzuführen, war Jan ebenfalls dabei. Und wenn wir samstags oder sonntags im Familienkreis Dominion, die Siedler von Catan oder Carcassonne gespielt haben, dann saß Jan regelmäßig mit am Tisch – weil bei ihm zu Hause keiner mehr Lust auf Gesellschaftsspiele hatte. Weil er ehedem immer gewonnen hatte. Also kam er zu uns – und gewann dann eben hier. Später dann kam Jan mit seinem Bruder regelmäßig zum Fantasy-Rollenspiel zu uns. Ich hatte mich aus der Runde schon lange verabschiedet. Aber wie die Tafelrunde von König Arthur zogen mein Sohn und Jan und einige andere Jungs als Elben, Zwerge oder Kriegsmagier durch die Wohnzimmer ihrer Eltern und belagerten die dann für ein Wochenende.
Um also eine lange Geschichte kurz zu machen: Jan ging bei uns ein und aus. Und mein Sohn wiederum war für Jan irgendetwas zwischen „zweiter kleiner Bruder“ und „Freund“. Trotzdem waren wir überrascht, als wir im vergangenen Herbst eine Einladung zur Hochzeitsfeier erhalten hatten. Sicher hatten wir mitbekommen, dass er heiraten will. Aber wir sind wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass er und seine Frau dann Eltern und Großeltern, vielleicht noch die eine oder andere Tante bzw. den einen oder anderen Onkel einlädt – und ansonsten enge Freunde und vielleicht noch ein paar Arbeitskollegen dabei sein werden. Auf keinen Fall hatten wir damit gerechnet, auch eingeladen zu werden. Und weil wir sicherstellen wollten, dass das keine Einladung aus falsch verstandener Verpflichtung war, haben wir bei Jans Mutter nachgefragt, wie es denn zu dieser Einladung gekommen sei. Und die Antwort hat uns überrascht. Sie meinte nämlich: „Das war für ihn gar keine Frage. Ihr gehört zur Familie…“ Ich gebe zu: Ich war da gerührt, als ich das hörte. Weil ich nicht gedacht hätte, wie Jan diese Zeit bei uns definiert hat – und dass er sie überhaupt definiert hat.
Jetzt kann man sagen: Schöne Geschichte – aber warum im Radio? Warum im Kirchen-Beitrag? Die Antwort ist simpel: Weil ich fest davon überzeugt bin, dass es mir mit meinem Verhältnis zu Gott häufig sehr ähnlich geht. Ich mache mir da meistens gar keine Gedanken, was ich ihm bedeute. Aber ich bin sicher, dass auch er sagen würde: „Hej, Du gehörst zur Familie.“ Was mir selbstverständlich und ohne Bedeutung erscheint, da sagt Gott vielleicht: „Das ist mir wichtig – weil Du mir wichtig bist!“ Wo ich etwas Schönes erlebe und gar nicht auf die Idee käme, es mit meinem Glauben zu verknüpfen, da lässt Er mich wissen: „Ich freue mich mit Dir.“ Wenn ich den Verlust eines lieben Menschen zu betrauern habe, da ruft Er mir zu: „Ich bin bei Dir.“ Härter formuliert: Gott mag mir manchmal gar nicht so wichtig sein. Das ändert aber nichts daran, dass ich ihm wichtig bin. Und ich bin überzeugt: Das gilt nicht nur für mich. Das gilt auch für Sie. Für jeden einzelnen von Ihnen!
