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Kirche in WDR 4 | 17.09.2026 | 08:55 Uhr
Das Ja-Wort
Guten Morgen.
Als Pfarrerin bin ich Saisonarbeiterin. Weihnachtssaison, Ostersaison, Hochzeitssaison. Die Hochzeitssaison liegt im Sommer, so von Mai bis September. Ich mag Trauungen sehr.
Die eigene Hochzeit ist für viele der schönste Tag im Leben. Sie versprechen einander: Ich will mit dir durchs Leben gehen.
Und trotzdem ist die Ehe heute nicht mehr selbstverständlich. Im vergangenen Jahr (2025) wurden in Deutschland rund 348.800 Ehen geschlossen – so wenige wie seit Beginn der bundesweiten Statistik 1950 nicht. (1) Gleichzeitig heiraten die Paare immer später. (2)
Warum entscheiden sich viele trotzdem füreinander?
Vielleicht, weil Ehe mehr ist als ein schönes Gefühl. Bei einer Hochzeit sag ich nicht nur: „Ich liebe dich.“ Ich sage auch: „Ich entscheide mich für dich.“
Denn Gefühle verändern sich. Das Leben bringt Freude, Liebe, Vertrauen, Glück und Krankheit, Streit, Sorgen und Enttäuschungen. Ehe bedeutet deshalb auch: „Ich will nicht nur an den guten Tagen bei dir sein.“
Und genau hier bekommt die kirchliche Trauung ihre besondere Bedeutung.
In der evangelischen Kirche ist die Ehe kein Sakrament. Die Ehe wird rechtlich auf dem Standesamt geschlossen. Die kirchliche Trauung ist ein Gottesdienst, in dem ein Ehepaar seine Ehe unter Gottes Segen stellt.
Das bedeutet nicht: Gott garantiert, dass diese Ehe immer glücklich sein wird.
Es bedeutet vielmehr: Ihr müsst euren gemeinsamen Weg nicht allein gehen.
Zwei Menschen sagen Ja zueinander und übernehmen Verantwortung für ihr gemeinsames Leben – und mitten in diesem Ja steht Gottes Zusage: Ich bin bei euch. Der Ehering steht symbolisch für dieses Versprechen. Aber der Ring allein trägt keine Ehe. Was trägt, sind Vertrauen, Vergebung, Geduld, Treue und die Bereitschaft, immer wieder aufeinander zuzugehen, einander nicht aufzugeben.
Vielleicht ist das deshalb die schönste Bedeutung einer kirchlichen Trauung:
Zwei Menschen versprechen einander: „Ich will mit dir gehen.“
Und Gott sagt: „Ich gehe mit euch.“
Als ich mit einer Berufsschulklasse über das Thema „Heiraten“ gesprochen habe, hat die erstaunliche Mehrheit gesagt: „Klar will ich heiraten. Gerne auch in der Kirche.“
Ich bin neugierig, was die Statistik in ein paar Jahren sagt. Steigen die Zahlen irgendwann wieder? Und wie denken so grundsätzlich die Generationen über das Heiraten, die sich gerade in der Ausbildung befinden?
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Herzliche Grüße aus Köln,
Ihre Inga Waschke.
Quellen: (letzter Abruf aller Links 21.08.26)
(1) Statistisches Bundesamt (Destatis): „Eheschließungen und Scheidungen in Deutschland“ – Daten zu Eheschließungen und Scheidungen, insbesondere 2024/2025.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Eheschliessungen-Ehescheidungen-Lebenspartnerschaften/_inhalt.html
(2) Statistisches Bundesamt (Destatis): „Ehen im Wandel“ – Entwicklung der Eheschließungen und des durchschnittlichen Heiratsalters.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Hintergruende-Auswirkungen/demografie-ehen.html
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
