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Kirche in WDR 2 | 23.07.2026 | 05:55 Uhr

Geschenkt

Stell dir vor, du bekommst 100 Dollar geschenkt. Du darfst das Geld behalten. Oder du gibst 30 davon in einen gemeinsamen Topf. Aus dem wird später etwas finanziert, das allen nützt. Die Frage ist: Was machst du?

Genau das haben Forschende in 125 Ländern gefragt. Mehr als 100.000 Leute haben mitgemacht. Alle wurden einer unbekannten Person aus dem eigenen Land zugeteilt und haben die Wahl gehabt: Die 100 Dollar für sich zu behalten oder mit der unbekannten Person zu kooperieren. Entscheiden sie sich für Kooperation, geben sie 30 von den 100 Dollar in einen gemeinsamen Topf für Klimaschutz und haben nur noch 70 Dollar.

Das Ergebnis ist überraschend: Die meisten - fast 70 Prozent - sind bereit, auf Geld zu verzichten, um etwas für uns alle zu tun.

Noch überraschender ist etwas anderes. Die meisten haben erwartet, dass die anderen egoistischer handeln. Sie haben gedacht: Wahrscheinlich behalten die ihr Geld lieber für sich. Aber das hat nicht gestimmt. Die Menschen sind kooperativer gewesen, als ihre Mitmenschen es vermutet haben.

Schon bemerkenswert. Denn oft haben wir ja einen anderen Eindruck. Wer Nachrichten schaut oder Zeitung liest, sieht Krieg, Betrug und Streit. Man kann meinen, jeder denkt zuerst an sich selbst.

Übrigens: Besonders drastisch haben wir Deutschen die Kooperationsbereitschaft der anderen unterschätzt. Während real 86 Prozent kooperiert haben, ein besonders hoher Anteil, haben die Teilnehmenden dies nur von knapp der Hälfte (47,6 Prozent) erwartet.

Armin Falk, einer der Autoren der Studie, von der Universität Bonn: „Meine Vermutung ist, dass wir schon eine Tendenz haben, das Glas halbleer zu sehen. … “ Die Forschenden sagen: Wir unterschätzen einander: „Wir sind als Spezies kooperativer, als wir selbst glauben.“

Und wenn ich so überlege: Mir begegnen fast jeden Tag Menschen, die Rücksicht nehmen. Die helfen. Die etwas teilen. Die Nachbarin, die ein Paket annimmt. Die Ehrenamtlichen bei der Tafel. Die Kollegin, die noch bleibt, um mir zu helfen. Oder die Freundin, die zuhört, obwohl sie selbst genug Sorgen hat.

Manchmal beginnt Hoffnung genau dort: Wo wir einander etwas mehr zutrauen. Die Studie legt jedenfalls nahe: Die Chancen stehen gut!


Quellen:
https://science.orf.at/stories/3235866/ (zuletzt abgerufenen am 26. Juni 2026)


Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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