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Kirche in WDR 2 | 18.08.2026 | 05:55 Uhr
Selbsthingabe
Im September 1961 stürzt ein Kleinflugzeug beim Landeanflug im heutigen Sambia ab. Im Flugzeug sitzen Dag Hammarskjöld, Generalsekretär der Vereinten Nationen, sowie 15 weitere Diplomaten auf einer Friedensmission im Kongo. Erst vor zehn Jahren bewahrheitet sich die Vermutung, dass das Flugzeug abgeschossen worden ist.
Hammarskjöld hat oft in schwierigen Konflikten erfolgreich verhandelt. So zum Beispiel bei einem militärischen Konflikt 1956 um den Suezkanal. Die Lage damals ist vergleichbar mit der Krise um die „Straße von Hormus“.
Hammarskjöld findet eine diplomatische Lösung und trägt so entscheidend zur Deeskalation des Konflikts bei. Im selben Jahr vermittelt er beim Ungarnaufstand in Zeiten des „Kalten Krieges“.
Was ihn allerdings besonders herausfordert, ist das Ende der Kolonialzeit in Afrika. Die Kolonialmächte beuten weiterhin die Bodenschätze mit brutalen Mitteln aus. Ungeachtet der Unabhängigkeitsbewegungen und demokratischen Bemühungen. Der damalige Premierminister des Kongo Patrice Lumumba, ein Hoffnungsträger der jungen afrikanischen Staaten, wird Anfang 1961 ermordet. Für seine Ermordung und die von Dag Hammarskjöld sind offenkundig belgische Söldner und westliche Geheimdienste verantwortlich. Noch im Jahr seines Todes bekommt Hammarskjöld den Friedensnobelpreis.
Wenn
wir schon nichts aus der Geschichte lernen, vielleicht lernen wir von Menschen.
Mit der Person von Dag Hammarskjöld verbinden sich zwei bemerkenswerte
Grundhaltungen: Zum einen bezieht er sich in seinem politischen Handeln auf den
historischen Jesus. Dessen
Ethik der Verantwortung ist für Hammarskjöld Orientierung. Zum anderen lebt er
eine Spiritualität, die ihn als Mystiker erscheinen lassen. So versteht er
interessanterweise Selbsthingabe als radikalen, spirituellen Weg zur
Selbstverwirklichung. Den Menschen zu dienen, sich für Frieden und
Freiheit einzusetzen, ist für ihn eine Bereicherung. Das formuliert jemand -
nicht zurück gezogen von der Welt, sondern inmitten ihrer Konflikte. Wer
innerlich so frei und unbestechlich ist, erscheint Mächtigen schnell als
Gefahr.
Ich glaube, wir
brauchen in einer zunehmend unüberschaubaren Welt Orientierungshilfen. Menschen
mit ethisch reflektierten Haltungen, mit Menschenliebe und der Überzeugung,
dass wir nicht für uns selbst leben. Es gibt sie diese Vorbilder. Gott sei
Dank.
Quelle: Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2017
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
