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Hoffnung auf Freiheit
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Kirche in WDR 5 | 17.06.2026 | 06:55 Uhr

Hoffnung auf Freiheit

Jetzt ist schon wieder Mittwoch und ich bin mitten drin in einem ehemaligen Nationalfeiertag, der aber – Gott sei Dank – immer noch nationaler Gedenktag ist. Ich war zwar nicht dabei – dafür bin ich zu jung – aber am 17. Juni 1953 gingen in der damaligen DDR die Menschen auf die Straßen. Ursprünglich demonstrierten die Bauarbeiter gegen die staatlich angeordnete Erhöhung der Arbeitsnorm. Schnell kam der Unmut dazu wegen der schlechten Lebensbedingungen. Und so forderten die Demonstrierenden schließlich auch die Absetzung der Regierung, sowie Meinungsfreiheit und freie Wahlen. In West-Deutschland hatte übrigens der DGB mitgeholfen, die Menschen in der DDR zu mobilisieren. Doch die sowjetische Besatzungsmacht schickte das Militär und schlug den Aufstand nieder.

In Westdeutschland wurde dann der 17. Juni als gesetzlicher Feiertag eingeführt, um an diesen Volksaufstand zu erinnern und die Wiedervereinigung anzumahnen, die dann 1990 Wirklichkeit werden sollte. Der Tag der Deutschen Einheit war eigentlich von 1953 bis 1990 eine Erinnerung ans Scheitern. Und zugleich hielt er die Hoffnung offen, dass die Freiheit sich doch durchsetzt. Ob das den Bürgerinnen und Bürgern in der DDR damals geholfen hat? Wenn die Bewohner West-Deutschlands am Tag des Scheiterns Hoffnung auf Wiedervereinigung feiern? Ich weiß es nicht. Schließlich folgte auf den niedergeschlagenen Aufstand von 1953 noch mehr Unterdrückung. 1961 wurde die Mauer gebaut und die Zonengrenze komplett geschlossen. Die Macht des SED-Regimes wurde immer größer und wohl auch unerbittlicher. Letztlich waren es nicht die Westdeutschen, sondern die mutigen Bürgerinnen und Bürger der DDR die 1989 wieder auf die Straße gingen. Trotz aller Unterdrückung. Trotz der Erfahrung 1953 gescheitert zu sein.

Ich frage mich daher: Wie viel Leid kann eine Nation ertragen? Wie lange müssen Menschen manchmal warten, bis sie wirklich in Freiheit sind? Wie lange muss Hoffnung tragen, bis sie sich manchmal erfüllt – völlig unerwartet? Wie war das doch gleich 1989 als Günter Schabowski scheinbar spontan aber auf jeden Fall unerwartet über die Reisefreiheit der Bürgerinnen und Bürger der DDR sagte: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.“ Eine Hoffnung, von der ich weiß, dass sie sich erfüllt, ist keine Hoffnung. Vielmehr kommt Hoffnung gerade erst dann zum Tragen, wenn das Scheitern offensichtlich ist. So wie damals, 1953 mit dem gescheiterten Aufstand in der DDR. Es braucht wohl Menschen, die die Hoffnung durchtragen, auch über viele Jahre, ohne zu wissen, ob sie sich erfüllt.
So denke ich heute an alle Menschen, die sich nach Freiheit und Frieden sehnen.


Ich denke an diejenigen, die bereit waren, für ihre Überzeugung zu sterben. Ich denke an die Menschen, die im Gebet versammelt sich aufgemacht haben, Dinge zu verändern: Friedlich und gewaltfrei.

Nachdenklich und dankbar, sowie voller Hoffnung grüßt Sie Stefan Wiesel

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