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Kirche in WDR 3 | 08.05.2026 | 07:50 Uhr
81. Jahrestag des Endes vom Zweiten Weltkrieg
Seit 81 Jahren ist der 8. Mai ein besonderer Tag.1985 hielt der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker eine der wichtigsten Reden zur Erinnerung an diesen Tag. Denn er sprach damals als erster vom 08. Mai 1945 als Tag der Befreiung. Der Zweite Weltkrieg war der größte militärische Konflikt der Menschheitsgeschichte. In seiner Gewaltdimension übertrifft er alle vorherigen Kriege. m81 Jahre sind wir hierzulande nun vom Krieg befreit. Aber die Dankbarkeit für diese Friedenszeit in Deutschland ist etwas getrübt. Die Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen nehmen zu.
Verteidigungsminister Boris Pistorius fordert in diesen Tagen, dass Deutschland „kriegstüchtig“ werden müsse. So wird derzeit unsere Bundeswehr mit viel Geld für den Verteidigungsfall gerüstet. Was sagen die christlichen Kirchen hierzu? Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde der damalige Erzbischof von Chicago zum neuen Papst gewählt. Die ersten Worte von Papst Leo XIV. waren in einen Friedensgruß gekleidet: „(I)ch möchte, dass dieser Friedensgruß in euer Herz eingehe, Eure Familien erreiche, alle Menschen, wo immer sie seien, alle Völker, die ganze Erde. Der Friede sei mit euch!“
Diese Friedensbotschaft hat der Papst auch kürzlich bei seiner elftägigen Afrika-Reise bekräftigt. Zu einem entwaffneten und entwaffnenden Frieden hat er aufgerufen. Einen anderen Akzent hat die evangelische Kirche in Deutschland gesetzt. Der Rat der Evangelischen Kirche hat im November 2025 eine Denkschrift veröffentlicht. Sie trägt den Titel: „Welt in Unordnung. Gerechter Friede im Blick“. Mich hat die evangelische Denkschrift ins Nachdenken gebracht, denn hier wird der friedensethische Akzent weiterentwickelt. Hier wird sich nämlich von einer bestimmten Form des Pazifismus verabschiedet.Es wird der Anspruch aufgegeben, dass Gewaltverzicht ohne Wenn und Aber gesetzt ist und nicht hinterfragt werden darf.
Angesichts hochkomplexer Herausforderungen in einer Welt in Unordnung plädiert diese evangelische Denkschrift nun für ein genaues Abwägen beim Urteilen: Keine kategorische Setzung, keine Denkverbote, sondern vielmehr ein Abwägen, ein „sowohl als auch“. So heißt es dann, dass Gewalt eingedämmt werden muss - notfalls mit Gegengewalt. Das folgende Zitat aus der Denkschrift macht den neuen Akzent deutlich:
„Gewaltfreiheit ist für Christinnen und Christen ein ethischer Grundsatz, der nicht an politische Zweckmäßigkeiten geknüpft ist. Dennoch ist Gewaltverzicht nicht in jeder Lage zwingend.“
So wird zum Beispiel sehr klar formuliert, dass eine Entscheidung für Waffenlieferungen sich daran messen lassen muss, ob damit eine Eskalation der Gewalt vermieden wird. Auch wenn ich den Wunsch nach Frieden teile, den Papst Leo unbedingt vertritt: gerade am heutigen Tag des „Nie wieder“ braucht es vielleicht differenziertere Abwägungen. Die evangelische Denkschrift betont auch die bleibende Aufgabe aller Christinnen und Christen: dem Frieden je nach eigenen Möglichkeiten zu dienen.
Sehr passend zum heutigen Gedenktag der Befreiung, meint Peter Krawczack aus Düsseldorf
