Beiträge auf: wdr2
Hörmal | 03.05.2026 | 07:45 Uhr
"Alles neu macht der Mai"
Zufälle gibt’s ja, da muss ich wirklich staunen. Mein Kollege ist kurzfristig erkrankt und bittet mich für ihn, einen Beitrag zu schreiben und einzusprechen für das Hörmal heute Morgen am dritten Mai. Ok, also rann, denn das Studio für die Aufnahme ist gleich nur für eine bestimmte Zeit frei. Spontan fällt mir da dieses alte Volkslied ein: „Alles neu macht der Mai.“ Passt ja auch, denn wir sind ja noch ziemlich am Anfang des Monats. Und inhaltlich stimmts auch, wenn ich in die Natur schaue, die das Lied beschreibt: alles grünt und blüht. Ein einziger Freudengesang auf die Schöpfung und eine Einladung aufzubrechen und in die Natur zu gehen. „Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei.“
Und als ich kurz recherchiere, von wem das Lied stammt, ja da muss ich doch staunen: Hermann Adam von Kamp hat das Lied vor gut 200 Jahren geschrieben. Nicht weil ich selbst an einer Straße, die nach ihm benannt ist, großgeworden bin, sondern weil er aus Ruhrort stammt, das heute zu meiner Heimatstadt gehört, zu Duisburg. Wenn das alles nicht ein kurioser Zufall ist.
Kamp war Schriftsteller, Heimatkundler und Lehrer, was ich so nicht wusste – obwohl ich vor über 50 Jahren jene Grundschule in Duisburg besucht habe, die damals seinen Namen trug: Kampschule. Kamp hat unter anderem seine Heimat beschrieben, den Kreis Duisburg, der damals von Essen bis Dinslaken reichte. Und so verdankt man ihm bis heute wertvolle Informationen aus der Geschichte der Region, bevor Duisburg durch den Bergbau und die Stahlindustrie geprägt wurde. So wie viele andere Städte des Ruhrgebietes ja auch.
„Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei.“ Für mich klingt das mehr als nur nach frühlingshafter Aufbruchsstimmung, ausgelöst durch die Natur. Kamps Lied steht für eine positive Stimmung für die Seele, fürs Gemüt – und die braucht es doch mehr denn je. Ich selbst scheue mich ja inzwischen schon, mir morgens die Nachrichten anzuhören: Jeden Tag Krieg, Krisen, Katastrophen. Kaum auszuhalten. Ich weiß natürlich: Die Welt ist wie sie ist. Ich kann an den großen Dingen nichts ändern. Trotzdem sehne ich mich danach, mit einem positiven Gedanken in den Tag zu starten. Und da ist jetzt dieser Gedanke aus dem Lied von Hermann Adam von Kamp: „Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei.“ – Nur weil ich zufällig für meinen kranken Kollegen einspringen und diesen Beitrag verfassen muss. Und damit befasse ich mich unerwartet mit einem Teil meiner eigenen Duisburger Geschichte, werde an meine Kindheit und Schulzeit erinnert. Toll! Das hätte ich heute Morgen, als ich aufstand, alles nicht gedacht, dass da auf einmal etwas Schönes Neues passiert. Zufälle gibt’s eben.
Ja vielleicht sogar mehr als Zufälle. Denn das Neue kommt nicht nur durch den Mai. Das Neue wird auch jedem Menschen verheißen: So jedenfalls eine der letzten Sätze in dem letzten Buch der Bibel, der geheimen Offenbarung des Johannes. Da heißt es von Gott, der auf dem Thron sitzt (vgl. Apk 21,3ff):
„Er wird bei den Menschen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. … Seht, ich mache alles neu.“
Ihnen einen guten Sonntag mit schönen Zufällen und meinem Kollegen gute Besserung.
