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Kirche in WDR 3 | 22.08.2026 | 07:50 Uhr
Wegen Glauben bedrängt
Guten Morgen.
Heute ist der „Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder der Weltanschauung“. Da geht es um die, die wegen ihres Glaubens bedrängt, verfolgt oder getötet werden. Das ist ein neuer Gedenktag der Vereinten Nationen. Ihn gibt es erst seit 2019, heute also zum siebten Mal. Und ich frage mich, warum so spät? Denn es gab schon immer Opfer und gibt immer mehr Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder einer Weltanschauung.
Ich erinnere an den Anschlag im Juni vor
einem Jahr auf die St.-Elias-Kirche in Damaskus. Ein Selbstmordattentäter hat während
eines Gottesdienstes 25 Menschen getötet, mehr als 60 Personen verletzt – unter
ihnen auch Kinder. (1)
Wir können und dürfen so einen Anschlag nicht mit der Situation in Deutschland
vergleichen. Ich nenne trotzdem mal ein paar Zahlen: Das Bundesministerium für
Inneres listet jedes Jahr Straftaten gegen Religionsgemeinschaften auf. Davon gab es allein im vergangenen Jahr fast 8.800. 57
Mal waren Synagogen das Ziel von Straftaten, außerdem 66 Moscheen und 92
Kirchen. Fast 800 Mal wurden Menschen wegen ihres Glaubens beleidigt und über 200
Mal sogar körperlich angegriffen. (2)
Viel zu viel.
Auf die ganze Welt geblickt muss man sagen: Christen sind nach Einschätzung vieler Experten und kirchlicher Organisationen die am stärksten bedrängte und diskriminierte Glaubensgemeinschaft der Welt. Weltweit wurden 2025 fast 4500 Christen und Christinnen getötet, weil sie ihren christlichen Glauben gelebt haben. So heißt es im Weltverfolgungsindex von Open Doors (3), einem überkonfessionellen christlichen Hilfswerk, das sich um bedrängte Christinnen und Christen weltweit kümmert.
Die Evangelische Kirche in Deutschland
gibt gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz regelmäßig den Ökumenischen
Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit heraus (4), um die Lage
systematisch zu dokumentieren. Wenn ich mir anschaue, wie viele Menschen wegen ihrer
Religion oder Weltanschauung in der Welt leiden müssen oder sterben – am liebsten
würde ich hier mit Ihnen eine Gedenkminute einlegen.
Wichtig ist, dass wir an die bedrängten oder verfolgten Menschen erinnern und
dass wir etwas für sie tun.
Die Evangelische Kirche in Deutschland setzt sich in internationalen Gremien wie der EU und der Vereinten Nationen für Religionsfreiheit ein. Das ist ein Menschenrecht. Jede und jeder darf glauben was er will oder auch gar nicht glauben, ohne dafür verfolgt oder diskriminiert zu werden. Weiter leistet die evangelische Kirche weltweit humanitäre Hilfe. Es gibt auch einen Gedenktag. Am zweiten Sonntag der Passionszeit wird über das Schicksal der Glaubensgeschwister informiert und für sie gebetet.
Gut, dass hier einiges getan wird, dass die Kirchen und Hilfswerke in Deutschland schon lange für ihre bedrängten Glaubensgeschwister da sind.
Ihr Pastor Heddo Knieper aus Hamm.
Quellen: Letzter Aufruf aller Links 20.07.26
(1) https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/nach-attentat-in-damaskus-wie-sicher-sind-christen-in-syrien,Up2l5wv
(2) https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/BMI26013-factsheet2025.pdf?__blob=publicationFile&v=3
(3) https://www.evangelisch.de/inhalte/238217/15-01-2025/christenverfolgung-weltweit-hilfswerk-gewalt-christen-nimmt-zu
(4) https://www.ekd.de/themen/material/dritter-oekumenischer-bericht-zur-religionsfreiheit-weltweit-90843.htm
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
