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Kirche in WDR 3 | 22.10.2026 | 07:50 Uhr
Ehrenamt kennt kein Alter
Guten Morgen! In der kleinen Gemeinde Marsberg, in der ich lebe, gibt es eine schöne Tradition: Alle katholischen Beerdigungen werden von Messdienerinnen und Messdienern begleitet. Die Mädchen und Jungen tragen beim Trauerzug das Kreuz, halten das Weihwasser, helfen in der Kirche und auf dem Friedhof und geben der Beerdigung so einen würdigen Rahmen.
Im vergangenen Jahr war damit aber plötzlich Schluss. Nicht, weil die Messdiener keine Lust mehr hatten. Sie konnten einfach nicht mehr. Ein neuer Stundenplan mit Unterricht am Nachmittag hat den Dienst für fast alle unmöglich gemacht. Zumindest unter der Woche.
Schnell haben viele Marsberginnen und Marsberger gesagt: Da fehlt etwas. Aber wie die gute Tradition erhalten? Schule ist eben Schule. Die zündende Idee kam schließlich überraschend: Warum übernehmen nicht einige Senioren diesen Dienst? Viele von ihnen waren doch selbst einmal Messdiener.
Ich kann Ihnen sagen: Über diesen Vorschlag wurde fast mehr diskutiert als über alles andere. Für einige war klar: Der Messdienerdienst ist doch eine Aufgabe für Kinder und Jugendliche und kein Job für Senioren. Zum Glück fanden andere die Idee aber durchaus spannend.
Nach vielen Gesprächen sagte schließlich der Erste: „Ich mache das.“ Kurz darauf meldete sich Nummer Zwei und direkt danach waren es schon drei. Inzwischen gibt es eine Senioren-Messdienergruppe mit 16 Personen. Immer dann, wenn Kinder und Jugendliche verhindert sind, übernehmen sie den Dienst bei den Beerdigungen. Und das ist so wichtig – das letzte Geleit würdig zu machen. Hier merkt ein ganzer Ort, ob die Gemeinschaft noch lebendig ist.
Vor Kurzem hat ein Seniorenmessdiener gesagt: „Herr Pastor, eigentlich ist das ein wichtiges und ehrenvolles Ehrenamt. Ich glaube, ich mache das jetzt öfter.“
Mich berührt diese Geschichte. Sie zeigt, wie schnell wir Menschen Aufgaben einem bestimmten Alter zuordnen. Manche Dinge scheinen selbstverständlich der Jugend zu gehören, andere den Älteren. Aber das Leben ist oft viel vielfältiger als unsere Vorstellungen.
Auch in der Bibel spielt das Alter eine überraschend kleine
Rolle. Gott beruft junge Menschen, z.B. den Hirtenjungen David – und dann
genauso
Menschen, die längst viele
Lebensjahre hinter sich haben: Abraham, Mose, z.B.. Entscheidend ist nicht das
Geburtsdatum, sondern die Bereitschaft, sich rufen zu lassen.
Gott interessieren nicht Sätze wie: „Dafür bist du noch zu jung.“ Oder: „Dafür bist du inzwischen zu alt.“
Die Senioren in unserer Gemeinde zeigen genau das: Es geht nur gemeinsam. In der Kirche hat jede Generation Platz.
Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen aus Marsberg
Pastor Sascha Heinrich
