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Die tickende Zeit und die ergriffene Zeit
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Kirche in WDR 5 | 13.03.2026 | 06:55 Uhr

Die tickende Zeit und die ergriffene Zeit

Das kann doch nicht sein. Gerade eben erst aus dem Haus gegangen – und dann ist der Tag schon wieder fast vorbei. Anders mein Empfinden an der roten Ampel. Eine einzige Minute zieht sich wie Kaugummi. Dabei ist die Minute objektiv gesehen immer gleich lang. Trotzdem fühlt es sich manchmal völlig unterschiedlich an, wie die Zeit vergeht. Die griechische Sprache kennt dafür zwei Wörter, die beide mit „Zeit“ übersetzt werden können – aber sie meinen etwas ganz Verschiedenes: Chronos und Kairos. Chronos ist die tickende Zeit. Sie strukturiert den Tag: Kalender, Uhrzeiten, Fristen, Termine. Chronos läuft einfach weiter – ob ich will oder nicht. Ich kann die tickenede Zeit nicht anhalten. Ich kann sie nicht verhandeln. Ich kann höchstens versuchen, sie gut zu füllen.

Und dann gibt es Kairos. Kairos ist der richtige Moment. Der günstige Augenblick. Der Moment, in dem etwas „dran“ ist. In dem etwas möglich wird: ein Gespräch, ein Gedanke, eine Entscheidung. Kairos ist nicht die Zeit, die tickt, sondern die, die ich ergreife, die ich mir Untertan mache. Ein typischer Chronos-Moment ist für mich das Warten auf einen Termin. Beim Arzt. Oder beim Bürgeramt wenn ich auf meinen neuen Personalausweis warte…meistens länger als geplant. Und dann stehe ich da mit dieser ungeplanten Zeit. Und jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ich bleibe ganz im Chronos. Ich starre auf die Uhr. Ich zähle die Minuten. Und um mich abzulenken, scrolle ich auf dem Handy, oder blättere durch irgendeine bunte Zeitschrift, die seit Monaten dort liegt. Ich betäube das Warten. Und am Ende gehe ich genervt raus und denke: Diese zwei Stunden sind mir gestohlen worden. Oder – zweite Möglichkeit – ich entdecke in diesem Chronos-Moment einen Kairos.

Ich merke, da ist gerade ein Augenblick, der sich öffnet. Eine Gelegenheit, die ich nutzen kann. Nicht, weil ich plötzlich mehr Zeit hätte. Sondern weil die Zeit, die da ist, auf einmal anders gefüllt werden kann. Was mache ich jetzt mit diesen Minuten, die eigentlich verplant waren und plötzlich frei sind? Frei für Dinge, für die ich sonst heute keine Zeit gehabt hätte.

Ich öffne mein Handy nicht zum Betäuben, sondern zum Verbinden. Ich beantworte die Nachrichten von Freunden und Familie, die seit Tagen unbeantwortet in meinem Chat schlummern. Nicht schnell-schnell und zwischen Tür und Angel, sondern so, dass mein Gegenüber spürt: Ich war wirklich da. Ich habe mir Zeit genommen. Oder ich mache das, was für mich am schwersten ist: Ich schließe einfach die Augen. Für einen Moment keine Ablenkung. Keine Betäubung durch Medien. Kein Flüchten in Geräusche. Sondern einmal ganz bei mir. Und ich frage mich: Wie geht es mir eigentlich gerade? Wofür bin ich dankbar? Fühlt sich mein Leben gut an? Und wenn nicht: Was müsste ich ändern?

Das ist für mich das Entscheidende am Kairos: Er passiert nicht einfach. Er will ergriffen werden. Er ist wie eine Tür, die für einen Moment offen steht.

„Es gibt für alles eine Zeit“, steht in der Bibel. Und manchmal müssen wir einfach bewusst durch diese Tür durchgehen, diesen kleinen Kairos-Moment ergreifen. Kairos wartet. An der nächsten roten Ampel. Im Wartezimmer. Oder in der Straßenbahn. Auch auf Sie.

Aus Köln grüßt Sie Gerald Mayer


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