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Kirche in 1Live | 02.11.2026 | floatend Uhr
Die Hand greifen
Gestern bin ich an Marcus Grabstein hängengeblieben. Sein Bruder hatte ein Bild davon gepostet, wie jedes Jahr an Allerheiligen. Und ich erinnere mich an Marcus: Zerrissene Jeans, Zigarette im Mund und eine Gitarre in der Hand - am Lagerfeuer im Zeltlager, im Jugendheim oder im Kletterwald. Marcus und ich kommen aus der gleichen Stadt und waren im gleichen Jugendverband aktiv. Wir waren nicht eng befreundet, aber gemeinsam unterwegs. Sein Tod vor fast fünf Jahren hat mich geschockt. Sein Grabstein erzählt seine Geschichte. Auf Marcus Grabstein sind echte Klettergriffe geschraubt. Sie erinnern an seine Leidenschaft: Er hat gerne mit Menschen gearbeitet, ist mit ihnen geklettert. Er hat sie gesichert und ihnen geholfen Hindernisse zu überwinden. Die Griffe erinnern auch an etwas anderes: Marcus hat es sich im Leben nicht immer leicht gemacht. Bei ihm ging es nicht einfach geradeaus. Es gab schwierige Stellen, Umwege, Abstürze. Und dann ist über den Klettergriffen eine Hand zu sehen. Für mich ist das die Hand Gottes. Eine Hand, die Marcus entgegengestreckt wird. So wie beim Klettern, wenn oben an der Kante schon jemand wartet und über das letzte schwierige Stück hinweghilft.
Mir gefällt diese Vorstellung: Gott räumt uns nicht jedes Hindernis aus dem Weg, Aber er ist da und streckt uns seine Hand entgegen. Auch dann, wenn unsere eigene Kraft nicht mehr reicht. Auch an der letzten Kante, im Tod.
Daniel Gewand, Senden
