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Kirche in WDR 3 | 24.03.2026 | 07:50 Uhr
Erzbischof Oscar Romero – Stimme der Gerechtigkeit
Heute vor 46 Jahren, am 24. März 1980 um 18.30 Uhr fiel der tödliche Schuss. Er traf Bischof Oscar Romero bei der heiligen Messe in San Salvador, Mittelamerika. Wenige Minuten zuvor hatte er gepredigt:
„Es ist zwecklos, nur sich selbst zu lieben und sich vor den Gefahren des Lebens zu hüten. Die Geschichte stellt die Menschen in diese Gefahren, und wer ihnen ausweichen will, verliert sein Leben. Wer sich hingegen aus Liebe zu Christus in den Dienst der anderen stellt, wird leben, wie das Weizenkorn, das stirbt, aber nur dem Schein nach. Stirbt es nicht, so bleibt es allein. Die Ernte setzt das Sterben voraus. Nur was sich auflöst, trägt Frucht …“[1]
Gestartet war Romero als extrem konservativer Priester. Die Hinwendung der Kirche zu den Armen machte ihm Angst. Hörte er davon, begann er zu zittern. Die Spannungen in der Kirche ließen ihn noch ängstlicher, noch konservativer werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde er zum Bischof ernannt. – Aber ihn verändern Begegnungen mit der Welt der Armen und die Morde an denen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Wiederholt bittet er Menschen aus dem Volk: „Helft mir, klar zu sehen!“[2]
Ihm fällt auf, dass viele seiner reichen Freunde, die seine karitativen Anliegen unterstützen, ihren Beschäftigten den gerechten Lohn verweigern. Ihm, dem Bischof, bieten sie einen Wagen und den Bau eines Palastes an, wenn er nur aufhören würde, über Gerechtigkeit und die Rechte der Armen zu predigen. Er lehnt ab. Bald darauf wird er in Rom angezeigt.
Je mehr er in Kontakt mit den Menschen und ihrer Realität kommt, umso klarer und mutiger wird er. Täglich liest er in der Bibel, liest Worte wie diese vom Propheten Jesaja:
„Das ist ein Fasten, wie Gott es liebt: die Fesseln des Unrechts zu lösen …!“[3]
Oscar Romero erkannte den Auftrag der Bibel: Bei den Armen zu sein – in letzter Konsequenz.
Wie anders erlebe ich die Realität in unserem Land und unseren Kirchen! Wir leben in derselben Welt und ihrer Ungerechtigkeit – aber wir profitieren weiterhin von einer ungerechten Weltordnung. Darum kann ich die Provokation dieses modernen Heiligen nicht vergessen.
Wenn auch in
unserm Land zunehmend das Recht des Stärkeren regiert – ich entscheide mich, der Spur Jesu zu folgen.
Und die lautet: Das Leben jedes Menschen ist Gott heilig! Und ob in unserem
Land Gerechtigkeit herrscht, das entscheidet sich an der Situation der sozial
Schwachen:
„Die Armen
müssen Maßstab sein!“[4]
Es grüßt Sie aus Aachen
Georg Lauscher.
[1] Zitiert nach: Martin Maier SJ, Erzbischof Oscar Romeros Kirchenkonflikte, in: Stimmen der Zeit, 3/2005, 198. [2] Ebd. 39. [3] Vgl. Jesaja 58,6. [4] So lautet ein Hirtenwort der US-amerikanischen Bischöfe.
