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Kirche in WDR 3 | 21.05.2026 | 07:50 Uhr

Spurenlesen

Ein schlichtes Gemälde: Einige erstaunte Gesichter starren auf ein Stück Rasen, in dessen Mitte zwei Fußabdrücke zu sehen sind. Die Blicke gehen nach oben. Über den Spuren ist der Mensch zu sehen, von dem sie stammen – oder besser: Er ist gerade nicht mehr zu sehen. Etwas über der Hüfte schneidet der Bilderrahmen das Bild ab, lediglich die Füße baumeln in den Lüften. Kein Gesicht, keine Gestalt mehr. – Für die, die sich mit christlicher Bildsprache auskennen, ist klar: Hier ist die Himmelfahrt Jesu dargestellt, wie sie vom Evangelisten Lukas erzählt wird: Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. […] Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihm ihren Blicken. (Apg 1,3.9)

So schlicht und naiv das Motiv auch umgesetzt sein mag: Als ich dieses Bild zum ersten Mal gesehen habe in einer Kirche im Sauerland, in der alten Kirche in Warstein, war ich verblüfft. Denn was soll eine halbe Gestalt ohne Gesicht? Fehlt da nicht das Entscheidende? – Gerade deshalb ist mir dieses Bild im Gedächtnis geblieben. Denn es zeigt nicht nur, dass jemand geht, sondern auch, was zurückbleibt: Spuren. Und: Menschen, die nach oben schauen, obwohl sich dort nichts mehr sehen lässt.

Mit der Himmelfahrt beginnt für die ersten Christen eine Zwischenzeit. Jesus ist nicht mehr sichtbar unter ihnen, aber er ist auch nicht einfach fort. Die Jünger stehen da – mit mehr Fragen als Antworten. Jesus ist den Blicken entzogen, aber nicht aus der Welt verschwunden. Er hat etwas versprochen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird.“ (Apg 1,8)

Es wäre ein Missverständnis, Christi Himmelfahrt als bloßen Abschied zu verstehen – so, als hätte Jesus die Erde endgültig verlassen. Jesus wird gerade nicht als Raketenmann beschrieben. Wenn die Bibel von Wolken spricht, dann meint sie nicht einen Ort am Himmel, sondern Gottes Gegenwart selbst: geheimnisvoll, nicht festzuhalten, nicht einzuzeichnen auf einer Land- oder Sternenkarte. Gottes Nähe entzieht sich den üblichen Maßstäben. Deshalb schneidet der Rahmen das Bild ab. Was hier geschieht, sprengt die Möglichkeiten des Darstellbaren. Genau darin sehe ich einen Wegweiser zum Pfingstfest, das bald folgt im christlichen Festkreis: Wo das Darstellbare endet, beginnt nicht Leere, sondern Offenheit. Der abgeschnittene Körper, der leere Raum über den Fußabdrücken – das ist kein „zu wenig“, sondern ein Hinweis darauf, dass Gottes Gegenwart nicht besessen und nicht gemalt werden kann. An Pfingsten feiern Christen das Ausgießen des Heiligen Geistes. Für mich ist es das Fest dieser menschlichen Offenheit: dass sich Herzen und Köpfe weiten, dass Sprachlosigkeit in Verständigung umschlägt, dass Vorurteile brüchig werden, weil der Geist Menschen aus festen Bildern herausruft. Die Jünger schauen nach oben und sehen nichts – und genau dadurch werden sie frei, den Blick wieder aufeinander zu richten.

Freude an dem, was hier und da den Rahmen sprengt, wünscht Ihnen Pastor Manuel Klashörster aus Delbrück.


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