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Kirche in WDR 3 | 30.12.2025 | 07:50 Uhr
Und dann?
„Und dann, und dann fängt schon alles wieder von vorne an. Januar, Februar, März, April …“ Ich glaube, Sie singen gerade alle ein bisschen mit, oder? Kennen Sie nicht? Das Lied von Rolf Zuckowski? Mich begleitet das seit Kindertagen. Damals klang es fröhlich, fast unendlich. Heute merke ich: die Zeit rast. Wie können wir schon wieder am Ende des Jahres stehen? Ich weiß noch genau, wie ich vor einem Jahr hier stand – an derselben Stelle, mit denselben Gedanken: Ein Jahr ist vorbei. Schon wieder. So viele Momente. So viele Begegnungen. So viel Schönes – und auch Schweres. Und während die Monate vorbeiziehen – Januar, Februar, März, April – wiederholt sich so vieles: die Feste, die Geburtstage, die Rituale, die Arbeit. Und doch ist jedes Jahr anders. Weil das Leben nie stehen bleibt. Wenn ich an meinen Jahresübergang zurückdenke, erinnere ich mich an einen Streit. Unerwartet. Schmerzhaft. Ein Missverständnis, das sich länger durch das Jahr gezogen hat, als mir lieb war. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, war dieses Jahr wichtig. Es hat mich verändert. Manches hat sich zum Guten gewendet, anderes liegt noch quer. Aber ich bin gewachsen-an Begegnungen, an Fehlern, an Momenten, in denen ich dachte: „Ich schaff das nicht.“ Und jetzt? Jetzt stehen wir wieder da, zwischen Gestern und Morgen. Und ich frage mich: Was bleibt? Vielleicht nicht die perfekte Bilanz, nicht der große Plan – Aber ich weiß: alles, was war, hat mich geformt. Vielleicht ist das der Sinn dieses „Und dann, und dann fängt schon alles wieder von vorne an“:
Dass wir, solange wir leben, immer wieder neu anfangen dürfen. Mit ein bisschen mehr Erfahrung. Mit ein bisschen mehr Nachsicht – mit anderen und mit uns selbst. Und vielleicht auch mit ein bisschen mehr Vertrauen, dass das, was kommt, gut werden kann. Denn ja, alles fängt wieder von vorne an. Aber wir sind nicht mehr dieselben wie im Januar. Und vielleicht ist genau das das Geschenk am Ende eines Jahres.
Und dass das neue Jahr gesegnet sei – das wünsche ich Ihnen schon jetzt! Lassen Sie es morgen krachen. Und: Seien Sie gnädig zu sich, zu anderen, zu diesem Jahr. Und zum nächsten auch. Fangen Sie immer wieder von vorne an. Dafür sind wir hier auf Erden.
Es grüßt Sie herzlich aus Krefeld,
Michelle Engel, Gemeindereferentin
