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Glückseligkeit
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Kirche in WDR 4 | 23.02.2026 | 08:55 Uhr

Glückseligkeit

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Eine schöne Gelegenheit, sich ein paar Gedanken über ein wunderbares Gefühl zu machen: Die Glückseligkeit. Darüber geht eine der schönsten Geschichten der Bibel, wie ich finde. Nämlich so: Jesus steigt auf einen Berg, setzt sich und beginnt mit einem Wort, das vermutlich in keinem Managementseminar vorkommt: "Glückselig". Er sagt nicht "erfolgreich". Auch nicht "effizient". Sondern "Glückselig". Da denke ich an das kleine Kind, das ungläubig die riesige Eiskugel in seiner Faust betrachtet und vielleicht gar nicht fassen kann, dass dieses riesige Ding allein ihm gehört. Selig heißt: angekommen sein in Leben. Im Augenblick. Und alles ist gut.Schon das macht den Text verdächtig. In diesen Zeiten, in denen Leistung, Sichtbarkeit, Ansehnlichkeit und Optimierung ganz oben auf dem Zettel stehen. Da scheint für Glückseligkeit kein Platz. Aber Jesus ist da entschieden. Er nennt sogar die Menschen glückselig, die nach heutigen Maßstäben eher als Problemfälle gelten würden: Trauernde, Sanftmütige, Hungernde und Verfolgte „Selig, die arm sind vor Gott“ sagt er. Das ist kein Lob der Armut, sondern eine Beschreibung innerer Freiheit. Arm vor Gott ist der, der weiß, dass er nicht alles im Griff hat. Der sich nicht selbst für den Mittelpunkt der Welt hält. Fast schon revolutionär. Und weiter geht’s: „Selig die Trauernden.“ Trauer wird hier nicht übersprungen oder therapiert, sondern ernst genommen. In einer Kultur, die unangenehme Gefühle möglichst schnell weglächelt oder wegscrollt, ist das fast schon ein Akt des Widerstands. Du darfst weinen! Du darfst traurig sein! Wie gut, oder?
Besonders altmodisch wirkt der Satz „Selig, die voller Sanftmut sind.“ Sanftmut klingt nach Schwäche, nach Nachgeben, nach mangelndem Durchsetzungsvermögen. Jesus dreht das aber um: Menschen mit sanftem Mut sind Menschen, die ihre Macht nicht ausreizen. Die nicht jedes Recht sofort einklagen. Die nicht alles gewinnen müssen. Er findet: Genau das ist doch ein Zeichen von Stärke! Und dann die Friedensstifter. Wie glückselig sind die, die nicht immer Recht haben müssen. Die, die Brücken bauen. Das ist mühsam, langsam und selten spektakulär. Aber es ist genau das, was unsere aufgeregte Gegenwart dringend braucht. Am härtesten ist vielleicht der letzte Teil. „Glückselig sind die, die verfolgt werden.“ Jesus sagt nicht: Wenn ihr sanftmütig seid oder Frieden stiftet, wird alles leicht. Im Gegenteil. Die Wahrheit lieben, gerecht sein, mit sanftem Mut das Herz sprechen lassen - all das hat seinen Preis. Aber es hat auch einen Sinn, der größer ist als der Applaus des Augenblicks. Die Seligpreisungen der Bibel sind kein moralischer Zeigefinger. Sie sind eine Einladung, die Welt anders zu sehen – und sich selbst auch. Nicht alles, was glänzt, sich mit Brokat behängt, aufplustert und aufpumpt macht glückselig. Und manches, was schmerzt, ist näher am Leben, als wir denken. Die altmodische Erzählung von der Glückseligkeit erinnert mich heute Morgen daran, dass Würde nicht verdient werden muss. Und dass Glückseligkeit manchmal dort beginnt, wo ich aufhöre, mich selbst beweisen zu müssen. Wie glücklich das macht. Jeden Tag. Und nicht nur an diesem Montagmorgen.

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