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Kirche in WDR 3 | 10.01.2026 | 07:50 Uhr
80 Jahre UNO (80. Jahrestag der ersten UN-Vollversammlung)
Guten Morgen.
London, 10. Januar 1946. 51 Staaten treffen sich zur ersten Vollversammlung der Vereinten Nationen, der UNO. Der Ort: Eine ehemalige Kirche, die Methodist Central Hall in Westminster. Dass sich die Staaten ausgerechnet in einem sakralen Raum treffen, wirkt wie ein starkes Symbol: Mitten aus der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs heraus setzt die Menschheit auf einen Neuanfang mit Hoffnung auf Frieden. Heute – achtzig Jahre später – erinnern wir uns an dieses Ereignis. Die Welt ist noch immer zerrissen: Kriege, Krisen, neue Unsicherheit.
Wie hält man an der Idee vom Frieden fest, wenn die Nachrichten voll von Gewalt sind? Die Vereinten Nationen geben eine Antwort: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er entsteht nicht von allein. Er braucht Menschen, die täglich dafür arbeiten – im Großen, aber auch im Kleinen.
Ein uraltes Bild gibt mir bis heute Kraft dazu. In der Bibel, im Buch Jesaja steht: „Sie schmieden aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen, und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.“ (Jesaja 2,4, Gute-Nachricht-Bibel) Dieser Text findet sich auf der „Isaiah Wall“ im Ralph Bunche Park, gegenüber dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Dort ist auch eine männliche Bronze-Skulptur zu sehen, der ein Schwert in einen Pflug umschmiedet – ein sichtbares Zeichen: Aus Waffen können Werkzeuge für das Leben werden.
Die Vereinten Nationen sind aus der Erfahrung von tiefem Leid und zerstörerischem Krieg entstanden. Ihre Charta verspricht, kommende Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren. Sie bekennt sich zur Würde jedes Menschen und setzt auf Regeln, damit Gerechtigkeit und Recht nicht nur schöne Worte bleiben. Künftig sollen Konflikte nicht mehr mit Gewalt, sondern mit Worten und Verhandlungen gelöst werden.
Leider scheitert dieser Versuch immer wieder. Die UNO konnte viele Kriege nicht verhindern, Resolutionen bleiben folgenlos, Vetos blockieren Entscheidungen, Unrecht geschieht weiter. Aber in dieser unvollkommenen Organisation steckt zugleich eine ernste Einsicht nach zwei Weltkriegen: Wir dürfen unsere Konflikte nicht mehr mit Waffen austragen. Das ist eine Form von Umkehr, geboren aus den Schmerzen der Vergangenheit.
Jesajas Bild ist eine Hoffnung, kein fertiges Versprechen. Gott stiftet Frieden – tiefer als alle Abkommen und Verträge. Doch es liegt auch an uns, diese Hoffnung lebendig zu halten. Wo können wir heute unser „Schwert“ umschmieden?
Mit einer versöhnlichen Geste vielleicht. Mit fairen Worten. Mit dem Engagement für Menschenrechte und für friedliche Lösungen, wo immer wir sie brauchen.
Der 80. Jahrestag der ersten UN-Vollversammlung ermutigt mich: Vieles bleibt ungelöst und zerbrechlich, aber mancher Friede ist möglich geworden. Jeder von uns kann zu einem Werkzeug des Friedens werden. Die Vision von Jesaja und der Gedanke der Vereinten Nationen leben weiter – sie laden ein, auch in unübersichtlichen Zeiten neue Wege zum Frieden zu suchen. Und darauf zu hoffen, dass aus kleinen Schritten Großes entstehen kann.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Gehen Sie zuversichtlich in diesen Tag.
Ihr Thomas Fresia aus Köln.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
