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Kirche in WDR 5 | 02.10.2026 | 06:55 Uhr
Respekt für die Retter!
Guten Morgen!
Mitten in der Nacht ist’s, zwischen zwei und drei Uhr. Ich liege und schlafe tief und fest, als ich plötzlich von einem heftig lauten Knall erwache. Im nächsten Moment schon wieder ein Knall, näher als der erste, und noch einer, noch einer. Immer wieder. Ich ahne, was das ist, aber aufgewachsen in einem friedlichen Land zu friedlichen Zeiten scheint mir das unfassbar. Schüsse? Direkt vor dem Fenster? Mein Herz fängt panisch an zu rasen.
Augenblicke später öffnet mein Gastgeber die Tür zu meinem Zimmer – lässt das Licht aber aus. Offenbar, bestätigt er leise meinen Verdacht, offenbar seien da draußen bewaffnete Diebe unterwegs, es täte ihm leid. Auf meine atemlose Frage aber, ob die Polizei schon alarmiert und auf dem Weg sei, zuckt mein Freund zu meinem Entsetzen resigniert mit den Schultern. Die Polizei… „Es ist sinnlos dort anzurufen.“, sagt er. „Selbst wenn sie wollten, können die nicht kommen – entweder ist das Auto kaputt oder sie haben kein Benzin.“ Ich denke, ich höre nicht richtig. „Immerhin,“ fährt mein Freud fort, „wird aber sicher jemand von der Nachbarschaftshilfe wach geworden sein und nun bald seinerseits zur Waffe greifen.“
Ein Vierteljahrhundert ist die Episode her, und dass sie ein glimpfliches Ende genommen hat, lässt sich leicht raten: sonst spräche ich hier nicht. Raten kann man auch, dass die Geschichte nicht in Köln, Bonn, Dortmund oder Düsseldorf passiert ist – oder überhaupt im Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks. In Sambia war’s, im südlichen Afrika, einem der ärmsten Länder der Erde.
Gelernt habe ich damals und niemals mehr vergessen, was für ein Privileg, was für ein Segen es ist, von verlässlichen Rettungssystemen umgeben zu sein. Und wie selbstverständlich ich mich fest darauf verlasse, dass Polizei, Notärztin oder Feuerwehr mit Martinshorn und Hochgeschwindigkeit losrasen, sollte ich sie einmal brauchen.
Ist doch selbstverständlich, würden Feuerwehrleute, Polizistinnen oder Rettungssanitäter selbst sicher sagen. Weil das ihr Beruf und ihr Selbstverständnis ist. Und weil man das in diesem Land seit langer Zeit so organisiert und geregelt hat. Acht Minuten dürfen in NRW Feuerwehr und Rettungsdienst brauchen - vom abgesetzten Notruf bis zum Einsatzort. Auf dem Land sind es zwölf Minuten. Für die Polizei gilt: Gefahr für Leib und Leben hat höchste Priorität, kein Tempo ist zu schnell.
Alles gut geregelt. Aber selbstverständlich? Jedenfalls nicht überall auf der Welt. Und auch hier in Deutschland erst nach einer jahrhundertelangen Entwicklung. Menschenleben zu retten ist heilige Pflicht, das ist in diesem Land in einer langen Geschichte zum System und zum Standard geworden. Gott sei Dank. Und gebe Gott, dass wir alle auch künftig bereit sind, den Rettern die nötigen Mittel zu stellen. Selbst wenn die allenthalben knapper werden.
Dass man in einer Kirche Gottesdienste feiert, weiß jedes Kind. Für mich sind auch Blaulicht, Martinshorn und Krankenwagen recht verstanden Gottes Dienst.
Leben schützen und Menschen retten – die das tun, die schickt der Himmel. Also Respekt für die Retter – im Himmel und auf Erden.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Ihr
Ulf Schlüter, Soest.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
