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Kirche in WDR 4 | 24.10.2026 | 08:55 Uhr

Kinoverkündigung

Wenn Frédéric an seinem Klavier sitzt, dann steht die Welt kurz still. Im Paris des Jahres 1835 will ihn jeder sehen. Denn dieser Frédéric, das ist Frédéric Chopin, der Klavier spielt und komponiert. Um ihn geht es in dem Film "Chopin. Eine Sonate in Paris", der seit dieser Woche im Kino läuft.

Das Musiktalent aus Polen ist der Star der Stadt an der Seine, mit den Reichen und Schönen auf Du und Du. Aber hinter der glitzernden Fassade nagt die Schwermut: Der 25-Jährige ist einsam, er sehnt sich in seine polnische Heimat zurück. Dann der Schicksalsschlag:

„Sie haben Tuberkulose. Der Umstand, dass sie Blut aushusten, weißt auf eine Perforation der Pleura hin. Die Krankheit befindet sich also in einem fortgeschrittenen Stadium. Ihnen bleiben jedoch noch einige Jahre zu leben. - Und wie viele genau bitte? Einige könnten zwei, aber auch neun Jahre sein.
- Das kann ich nicht abschätzen. Bitte verstehen Sie eines: Es ist mir unmöglich, Sie zu heilen. Und momentan vermag das auch niemand auf der Welt.“

Frédéric fühlt seine Kräfte schwinden – und sagt sich: Jetzt erst recht. Er will keine Stücke mehr komponieren, die ihm lediglich ein Auskommen sichern. Er will künstlerisch frei sein und alles in seine Musik legen. Er komponiert entschlossener und inniger denn je.

Ihm geht es nicht um Technik, sondern um das Ganze. Das sagt er auch einem seiner Klavierschüler.

„Spiel nicht nur auf den Tasten, in deinem Geist auch. Ja, nichtmal zuhören solltest du, wie Beethoven. Die Imaginationskraft ist wichtiger als die Technik. Im Geiste den Frieden, denn der Geist führt deine Hand.“

„Jetzt erst recht“: Diesen Satz zu sagen, ist einfach. Ihn zu leben, umso schwerer. Die makellose Fassade ist in Zeiten Sozialer Medien wichtiger denn je. Überall: Happy Faces. Aber: Wer traut sich, wirklich dahinter hervorzutreten und einfach er selbst zu sein? Für Chopin ist es damals die Tuberkulose-Diagnose, die ihn anspornt, sich wirklich auf sich selbst einzulassen. Und was für eine schöne Musik daraus entstanden ist! Den Menschen von heute möchte man wünschen, dass es nicht ein derart tragisches Ereignis braucht, um zu sich selbst zu stehen.


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