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Sonntagskirche | 31.05.2026 | 08:55 Uhr

Welchen Frieden?

Guten Morgen.

Ich lese gerade das Buch: „Die Achse der Autokraten“, geschrieben von der Historikerin Anne Applebaum. Sie zeigt auf, wie autokratische Herrschaft im 21. Jahrhundert funktioniert: Autokratische Systeme helfen sich gegenseitig, ihre Macht zu erhalten – durch Gelder, Ressourcen, Waffen und Propaganda. Dabei geht es gar nicht um gemeinsame Werte, Weltanschauungen oder Ideen, sondern nur darum, ihre Macht zu sichern. Und für die gehen sie sogar gnadenlos gegen die eigene Bevölkerung vor.

Um dem etwas entgegenzusetzen, sieht Anne Applebaum nur eine Chance: Die Demokratien der Welt müssen eine Gegenachse bilden, und sich für die Freiheit und den Frieden aktiv einsetzen. Auch wenn das bedeutet, Risiken einzugehen.


Die Welt verändert sich. Sie ist – zumindest für uns hier in Europa – unsicherer geworden, wunder, zerbrechlicher. Der Frieden, der in Westeuropa jahrzehntelang als sicher galt, ist nicht mehr selbstverständlich.

Möglicherweise hat sich die Welt ähnlich angefühlt am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus. Da ist das Johannesevangelium der Bibel entstanden. Und darin sagt Jesus zu seinen Freundinnen und Freunden:


„Ich hinterlasse euch Frieden, ich übergebe euch meinen Frieden. Ich gebe ihn euch nicht, wie die Welt ihn gibt. Seid nicht aufgewühlt und erschrocken und habt keine Angst!“ (Johannes 14,27, Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)


Das Johannesevangelium ist in einer Zeit geschrieben worden, die auch unsicher ist: Es herrschen die Römer. Die haben Jesus – und viele andere – aus politischen Gründen ermorden lassen. Die jungen christlichen Gemeinden fragen sich: Wie werden die mit uns umgehen? Die halbe Welt ist von Rom besetzt und alle, die beim Kaiserkult nicht mitmachen – wie die Christen -, sind gefährdet.


Frieden – „nicht so, wie die Welt ihn gibt“. Das bezieht sich auf die römische Propaganda vom „Pax Romana“. Pax Romana, das heißt „Römischer Friede“, und so nannten die Römer auch ihre Gesellschaftsordnung. Die bestand in militärischer Eroberung und gewaltvoller Unterdrückung anderer Völker.

Pax Romana, Römischer Friede - in seinem Namen ist Jesus ermordet worden: Menschen wurden zum Schweigen gebracht, wenn sie sich wie Jesus nicht der Gewaltherrschaft unterordneten und laut von einer anderen Welt träumten.


Jesus grenzt den Frieden, von dem er spricht, von der Pax Romana ab. „Meinen Frieden übergebe ich euch.“ Gottes Frieden. Frieden, Shalom spielt in der Bibel und in der jüdischen Tradition eine große Rolle. „Shalom“, das bedeutet wörtlich „Vollständigsein“, „Heilsein“.

Im Shalom Gottes kommen alle Menschen zu ihrem Recht, werden ihre Stimmen gehört, ihre Würde geachtet, ihre Freiheit geschützt.


„Habt keine Angst“, sagt Jesus zum Abschied. Gerade weil es Gründe für die Angst gibt. Und weil es manchmal gut ist, von der Angst reden und sie auch teilen zu können. Damit sie nicht sprachlos macht. Und dann gilt es, die Angst zu begrenzen. Und dem Frieden Raum und Kraft zu geben. Dem Frieden, den Gott der gesamte Welt verspricht.


Ich wünsche Ihnen einen friedvollen Sonntag!


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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