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Kirche in WDR 2 | 10.06.2026 | 05:55 Uhr
Dankbarkeit
Mir ging´s so mittel.
Jetzt kann man ja immer entscheiden, wie der Satz weitergeht. Mittel schlecht, - mittel gut?
Oder man redet einfach nicht weiter, weil man´s halt selber noch nicht so genau weiß, oder wissen will. Mittel eben. Wenn es das denn überhaupt gibt.
Und dann sagt der Freund zu mir: Schreib´doch mal auf, wofür du heute, nee noch besser: jetzt, dankbar bist. Echt jetzt? Dankbar?
Ich meine – gut, kann man vielleicht mal machen. Aber andererseits: Ist doch irgendwie klar, dass man, dass ich dankbar bin: Hier fallen keine Bomben, es bedroht mich niemand, ich kann mich versorgen oder werde versorgt, wenn ich es nicht kann. Es gibt Schulen, Sozialämter. Da ist doch klar, dass man, dass ich dankbar bin, oder? Oder? Oder nicht?
Doch, doch, denke ich, selbstverständlich. Selbstverständlich?
Selbstverständlich ist dabei gar nichts. Für mich macht Dankbarkeit nur Sinn, wenn ich nicht nur klar habe, für was ich dankbar bin, sondern auch wem. Ah, jetzt kommt die Verkündigung um die Ecke. Schon. Nur, für mich als Christ ist Dankbarkeit eben kein Mittel nach dem Motto: Nun sei mal schön dankbar für das, was Gott dir geschenkt hat. Dankbarkeit und Forderungen schließen sich aus. Für mich ist Dankbarkeit eine Sicht auf mein Leben, für die Umstände, Menschen, Erfahrungen, die ich nicht aus mir selbst heraus, quasi allein habe schaffen können; die mir passiert, gegeben, geschenkt worden sind.
Fängt ja schon vorne an: Ich hab´mich nicht selbst gemacht. Für mich ist Dankbarkeit die Erinnerung an das, was gut war und ist in meinem Leben. Und es für wahr zu halten. Wahr und wirklich und wirksam. Nee, eben nicht alles honeymoon. Sondern was alles gut und sehr gut war und ist in meinem Leben, neben allem Schmerz, aller Not, aller Ohnmacht.
Nicht trotz, sondern neben - allem Schwerem, Allzuschweren.
Danke. Gott.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
