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Kirche in WDR 4 | 17.06.2026 | 08:55 Uhr
Keine Ich-AG
Diesmal
soll es klappen. Nach Monaten habe ich endlich die passende Kommode gefunden –
genau das Maß, genau die Funktionen, die ich brauche. Einziger Haken: Sie kommt
als Bausatz. Und es ist so - ich bin ganz gut darin, Möbel zu verschönern. Schleifen,
streichen, aufmotzen, umfunktionieren, alles kein Problem. Aber eine Kommode zusammenbauen?
Mit Schubladen, Scharnieren und Co? Das kann ich nicht. Aber es nützte ja nix.
Vor mir liegen zahlreiche Bretter, Schrauben und sonstige Dinge, deren Namen
ich nicht einmal kenne. Und ich bin fest entschlossen: Diesmal will ich es
hinbekommen. Geduldig erstmal die ganze Anleitung lesen, alle Teile
vorsortieren und dann Schritt für Schritt. Wäre doch gelacht! Ein paar Tage
später lade ich all die Bretter wütend in den Kofferraum. Ab zum Recyclinghof.
Das Projekt Kommode ist grandios gescheitert.
Doch Stopp! Als ich gerade all die Bretter in meinen Kofferraum laden will, um sie zu entsorgen, spricht mich mein Nachbar an und ich erzähle ihm von meinem Fehlversuch. „Ich kann Dir gerne helfen!“ sagt er. Und auf die Idee wäre ich tatsächlich nicht gekommen. Für mich war es naheliegender, das Projekt Kommode zu begraben, als jemanden um Hilfe zu bitten. Selbst in dem Moment, als er das sagte, wär’s ja nicht zu spät gewesen. Aber in meinem Kopf schwirrt direkt der Satz: „Das ist total nett, aber das geht ja nicht.“ Und so bedanke ich mich für das Angebot und sage ihm, dass das Projekt abgehakt ist. Nein Danke also.
Diese ganze Kommodennummer hat Geld und Nerven gekostet. Aber vergebens war sie nicht. Mir ist nämlich dabei so richtig aufgegangen, wie vernagelt ich eigentlich bin! Natürlich war das Ausgangsmaterial nicht optimal. Da passten viele vorgebohrte Löcher und Schrauben nicht. Und: mein Akkubohrer und ich hatten irgendwie auch keinen Lauf. So manche Abbildung im Aufbauplan war mir auch ein Rätsel geblieben. Und trotzdem: Das Ganze ist mehr an meinen Grundannahmen als an der Aufbauanleitung gescheitert. „Ich muss das allein hinkriegen“ – damit habe ich die Latte ziemlich hochgelegt. Zu hoch.
Inzwischen
steht an der Stelle im Wohnzimmer mein Plan B: Ein Möbelstück, das schon
vorhanden war, wurde von mir umgemodelt und umfunktioniert. Zurück zu dem, was
ich kann, also. Das gefällt mir auch gut so. Was mir seit dieser Kommodensache
aber nicht mehr gefällt, ist diese „allein oder gar nicht-Idee“ in meinem Kopf.
So sind wir Menschen nicht gedacht. Wir sind keine Ich-AGs, die niemanden
brauchen. Um Hilfe bitten, Ideen tauschen, mit anpacken, voneinander lernen, das
braucht es schon immer, damit etwas entsteht. Ob große Erfindungen, mittelgroße
Möbelstücke oder persönliches Wachstum: Mit dem Glaubenssatz, es allein
schaffen zu müssen, bleiben viele Ideen und so manch gute Möglichkeit stecken.
Und diese Erkenntnis ist ja nicht neu.
Schließlich ha schon Jesus gesagt: „bittet und so wird Euch gegeben“. Als er
vor dem großen Projekt stand, den Zimmermannshammer niederzulegen und ab jetzt
durch die Lande zu ziehen, um den Menschen zu zeigen, wie Gott das mit dem
guten Leben wirklich mein, da war es eine seiner ersten Handlungen, andere
Menschen anzusprechen. Sich Leute zu suchen, die mitmachen. Nix mit „alleine
oder gar nicht“. Heute, ein paar Wochen später, bin ich für das Erlebnis mit
der Fast-Kommode dankbar. Immerhin hat mir dieser Bretterhaufen gezeigt, dass
ich mir das Leben schwerer mache, als es sein müsste. Wer fragt, dem kann geholfen werden.
