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Kirche in WDR 2 | 09.07.2026 | 05:55 Uhr
Allyship
Allyship - schon mal gehört? Allyship. Ist englisch. Klar. Bedeutet: Solidarisch an der Seite anderer stehen. Mit guten Absichten und mit Taten. Die Fachstelle Gender & Diversität NRW, beschreibt Allyship als eine bewusste Haltung: Privilegien erkennen und sie nutzen, um andere zu unterstützen. Denn: Leider erleben viele Menschen immer noch Benachteiligung: Frauen*. Queere Menschen. Menschen mit Behinderung. Menschen, die Rassismus erfahren. Oft hören sie: „Ach, das ist doch nicht so schlimm.“ Oder: „Stell dich nicht so an.“ Und genau dort beginnt Allyship. Wo wir stattdessen sagen: „O.K., ich höre dir zu. Ich nehme dich ernst. Ich glaube dir. Und ich lasse dich nicht allein.“
In der Bibel - im Buch Kohelet - heißt es: „Zwei sind besser als eine allein. Wenn sie fallen, richtet eine Person die andere auf.“ Rettung kommt nicht von oben, sondern: Menschen sind gemeinsam unterwegs. Sie tragen und stützen einander. Auch Jesus handelt oft so. Er stellt Menschen in die Mitte, die übersehen werden. Er hört ihnen zu. Er spricht nicht nur über sie, sondern mit ihnen. Darin steckt ein wichtiger Gedanke: Allyship bedeutet nicht, für andere zu sprechen. Es bedeutet, ihnen Gehör zu verschaffen. Nicht die eigene Stimme lauter zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass andere gehört werden. Entscheidend ist das konkrete Tun. Das passt zu dem, was Jesus vorlebt: aufmerksam sein, zuhören und handeln. Das ist manchmal unbequem. Wenn die Idee einer Kollegin übergangen wird. Wenn ein abwertender Witz fällt. Wenn jemand ständig unterbrochen wird. Dann kann Allyship heißen: nachfragen, widersprechen, unterstützen.
Allyship ist keine Erzählung über individuelle Heldentaten. Es geht nicht darum, bewundert zu werden. Es geht um Beziehungen, Gerechtigkeit und die Einsicht, dass wir miteinander verbunden sind. Für mich hat das auch mit Gottes Blick auf die Welt zu tun. Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. Jede Person trägt Würde in sich. Diese Würde braucht Schutz. Und manchmal braucht sie Verbündete. Vielleicht ist Allyship deshalb sogar eine geistliche Praxis. Eine Art Nächstenliebe konkret werden zu lassen. Nicht irgendwann. Sondern heute.
Quellen:
https://www.gender-nrw.de/allyship/
https://hateaid.org/allyship/
Zuletzt abgerufen am 03.06.26
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
