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Kirche in WDR 4 | 28.08.2026 | 08:55 Uhr
Schlüsselübergabe
Mit 75 ist Schluss, egal ob du Pfarrer, Kirchenvorstand oder Bischof bist. Also höre ich hier nach 34 Jahren als Pastor auf und ziehe in ein Seniorenheim. Natürlich mache ich danach auch noch als Priester weiter und werde auch hier weiter zu Ihnen sprechen. Aber am Wochenende verabschiede ich mich von St. Theodor und St. Elisabeth in Köln, Höhenberg und Vingst. Jetzt denke ich an die vielen Menschen, ohne die wir nichts hätten bewirken können. Da ist Klaus Jung leider vor kurzem verstorben. 33 Jahre lang hat er das Technikteam in unserer Kinderstadt in den Sommerferien geleitet. Jeweils 4 Wochen lang. Zusammengerechnet hat er dreieinhalb Jahre seines Lebens sich für fremde Leuts Kinder eingesetzt, wie man es bei uns in Köln ausdrückt. Wenn es einen Himmel gibt, ist er drin. Da ist Helga Gau, die seit 34 Jahren unsere Kinderkleiderkammer leitet. An jedem Wochentag kommen hier Mütter und holen Kindersachen von der Strampelhose bis zum Fahrrad. 15 Jahre lang war sie auch Chefköchin in unserer Kinderstadt, 3 Wochen lang für 900 Menschen. Ebenso jahrzehntelang ehrenamtlich tätig in der Gemeindewerkschaft die beiden Schreiner Franz Hugo Beicht und Paul Grziwa. Sie haben nicht nur für die Kirchengemeinde gearbeitet, sondern auch für die Schulen, Kitas und Initiativen im Veedel. Es hätten noch so viele verdient, genannt zu werden. Aber mir ist auch wichtig, weiter nach vorne zu schauen. Da nach mir kein Pfarrer mehr kommt, sondern wir in eine größere Gemeindeeinheit hineinwachsen, werden all die ehrenamtlichen Menschen immer wichtiger. Nur so bleibt sozusagen die Kirche im Dorf. Denn jetzt kommt es ja auf die Christinnen und Christen an, die keine Priester oder Diakone sind. Ich habe auch hier einmal erzählt, dass wir in unserer Gemeinde über 580 Schlüssel ausgegeben haben. Mein Motto war immer: Wer es macht, hat die Macht. Ich gebe meinen Schlüssel zwar ab, aber die anderen haben noch ihre. Und jetzt kommt es noch mehr auf die an, die etwas machen. Und das sind zum Glück viele. So haben wir bereits in der neuen Einheit 41 Wortgottesfeierleiterinnen ausgebildet. Schon heute gestalten sie Sonntagsgottesdienste ab und zu, obwohl ich noch da bin, sozusagen schon mal zur Übung. Für die Beerdigungen bilden wir auch schon Christinnen aus. Eine Gruppe für ökumenische Gottesdienste hat begonnen. Ab 1. Januar, also in 4 Monaten, wird es noch einen leitenden Pfarrer geben. Einige Priester auch aus der Weltkirche sowie Diakone und Gemeindereferentinnen werden ihm helfen. Vor allem aber viele ehrenamtliche Christinnen und Christen. Am meisten freut mich, dass sich alle freuen, wenn diese Menschen die Gottesdienste gestalten. Die Kirche verändert sich wunderbar, weil das ganze Volk Gottes mitmacht. So gehe ich irgendwie auch froh in den Ruhestand übermorgen.
