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Kirche in WDR 2 | 04.02.2026 | 05:55 Uhr
Das Böse überwinden
Es knirscht ordentlich zwischen den USA und Europa, seit Trump das Präsidentenamt zum zweiten Mal bekleidet.
Zwar ist er in der Frage der Okkupation von Grönland zurückgerudert, aber es bleibt klar, dass man sich auf das Wort dieses Menschen nicht verlassen kann.
Das verunsichert. Und ja, es macht auch wütend. Mich jedenfalls.
Ich merke, wie schnell ich mir einfache Bilder baue: hier die Guten, dort die Bösen. Aber so einfach ist es nicht. Auch ich stecke in westlichen Selbstverständlichkeiten, profitiere von Machtstrukturen, die ich gleichzeitig kritisiere.
Vielleicht ist das die erste, unbequeme Frage: Wo rede ich von Werten, ohne bereit zu sein, selbst einen Preis dafür zu zahlen?
Interessant ist, wie in den aktuellen Debatten – besonders im Umfeld von Trump – Bibelzitate bemüht werden, um Härte, nationale Abschottung oder sogar offene Erpressung zu rechtfertigen. Da wird dann gesagt: Gott segnet die Starken, Gott belohnt die Erfolgreichen, Gott will Ordnung. Das Problem ist nur: Diese Theologie steht quer zur Bibel. Sie ist näher am „Recht des Stärkeren“ als an Jesus.
Wenn es heißt: „Christus ist unser Friede“ (Eph 2,14), dann ist das eben kein Frieden, der Mauern höher zieht oder andere klein macht. Dieser Friede entsteht gerade dadurch, dass Trennungen überwunden werden – zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen, Drinnen und Draußen.
Jesus selbst ist friedliebend gewesen, aber nicht konfliktvermeidend. Er hat sich nicht mit religiöser oder politischer Macht arrangiert, wenn sie Menschen erniedrigt hat. „Eure Rede sei Ja, ja; Nein, nein“ (Mt 5,37) heißt eben nicht: immer zustimmen, um Ruhe zu haben. Es heißt: ehrlich sein, auch wenn es unbequem wird.
Und wenn Paulus schreibt: „Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem“ (Röm 12,21), dann ist das „Gute“ eben keine kindliche Naivität. Es kann heißen: widersprechen, Grenzen ziehen, sich nicht erpressen lassen.
Vielleicht ist das die Spannung, in der wir leben müssen: Wir wollen Frieden, aber keinen um den Preis der Selbstverleugnung. Wir wollen Dialog, aber nicht um den Preis der Menschenwürde.
Christus als Friede heißt dann nicht: wegducken. Sondern: die Kraft haben, menschlich zu bleiben – gerade dort, wo Machtlogik, Angst, Dummheit und Lautstärke das Klima bestimmen.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
