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Kirche in WDR 4 | 16.06.2026 | 08:55 Uhr
Tag des afrikanischen Kindes
Ich möchte Ihnen zwei Mädchen vorstellen, Lena und Amalia. Lena ist neun Jahre, wohnt in Dortmund, geht in die vierte Klasse, ihr Schulweg ist ca. fünf km lang, sie fährt mit dem Bus, denn sie hat ein Jahresticket. Lenas Lieblingsfächer sind Sport und Rechnen. Wenn sie nach Hause kommt, gibt es Mittagessen und dann macht sie ihre Hausaufgaben, danach hat sie Zeit für ihre Hobbys. Für Lena ist klar, sie will Ärztin werden, wie ihr Papa. Lena ist eine gute Schülerin und hat gute Noten. Für das Studium ist Geld vorhanden, die Voraussetzungen sind gut.
Amalia ist auch neun Jahre, wohnt in Machanga in Mosambik. Sie geht in die dritte Klasse. Ihr Schulweg ist sechs Kilometer lang, sie geht zu Fuß, es gibt keinen Bus und nur schlechte Straßen. Am liebsten zeichnet Amalia in der Schule. Schreiben-Lernen fällt ihr ein bisschen schwerer als den jüngeren Schülerinnen, aber sie holt fleißig auf. Wenn Amalia nach der Schule zu Hause ist, muss sie erstmal Wasser holen, und die Krüge sind ganz schön schwer. Dann kümmert sie sich erst um die kleineren Geschwister, gegessen wird erst am Abend. Wenn es dunkel ist, ist sie oft zu müde, um ihre Hausaufgaben zu machen. Ob Amalia weiter in die Schule gehen kann, hängt auch von der Gesundheit ihrer Eltern ab. Wenn der Vater wieder ausfällt, wird sie als älteste Tochter einspringen müssen. Dann geht sie auf den Markt und verkauft Ost und Gemüse, für die Schule bleibt dann keine Zeit mehr. Wenn Amalia könnte, würde sie später auch gerne Ärztin werden – wie Lena aus Dortmund. Aber ihre Voraussetzungen dafür sind ungleich schwerer.
Warum erzähle ich Ihnen das alles? Weil heute der Tag des afrikanischen Kindes ist. Der internationale Gedenktag erinnert an die Zehntausenden Kinder, die 1991 in Südafrika auf die Straße gegangen sind, um für mehr Bildung zu demonstrieren. Hunderte Mädchen und Jungen wurden damals erschossen oder schwer verletzt.
Und deshalb ist es mir gerade heute nochmal wichtig, an diese Kinder zu erinnern! Auch sie hätten sicher gewollt, dass ein Mädchen wie Amalia weiter zur Schule gehen kann. Ihnen war klar, wie wichtig Bildung ist – so wie Nelson Mandela mal gesagt hat: „Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern. Und Papst Leo hat kürzlich auf seiner Afrikareise noch einen draufgesetzt, wenn er sagt: Bildungseinrichtungen sind „Neue Landkarten der Hoffnung”.
Auch für Amalia… und Lena.
