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Kirche in WDR 3 | 29.04.2026 | 07:50 Uhr
Spitznamen
Guten Morgen.
Mögen sie Spitznamen? Haben sie vielleicht sogar selber einen Spitznamen? Ich mochte meine Spitznamen nie. Viele Spitznamen sind nur Verniedlichungen, wie Manni oder Mausi. Manchmal sind Spitznamen aber auch regelrecht beleidigend. Dafür möchte ich heute Morgen keine Beispiele nennen.
Ich möchte ihnen jemand vorstellen, dessen Spitzname eine tiefe Bewunderung und Wertschätzung ausdrückt, auch zwei Jahrtausende nach seinem Tod. Es geht um einen gewissen Josef aus Zypern, von dem in der Bibel berichtet wird. Doch eigentlich kennt man diesen Josef nur unter seinem Spitznamen: Barnabas. Das bedeutet wörtlich übersetzt: „Sohn des Trostes“, oder frei übertragen „der, der anderen Mut macht“. (Die Bibel, Apostelgeschichte 4,36)
Diesen Barnabas, den „Sohn des Trostes“ hätte ich gerne kennengelernt. Gerade in diesen Zeiten, heute, in denen manche von den Großen dieser Welt anderen Angst machen und nicht ganz bei Trost zu sein scheinen.
Der Barnabas aus der Bibel, der ist ganz bei Trost und ganz bei Verstand. Und er ist ganz bei Gott. Denn bei Gott hat Barnabas Trost gefunden. Und von ihm hat er gelernt, andere zu trösten und heillos Zerstrittene zusammenzubringen. Zum Beispiel die frühe christliche Gemeinde mit dem ehemaligen Christenverfolger Paulus. Die Gemeinde hatte gehört, dass Paulus die Seiten gewechselt hat und jetzt selbst Christ ist. Doch so richtig geglaubt hat es ihm keiner in der Gemeinde. Sie denken: Vielleicht ist das eine Falle. Vielleicht ist Paulus ein Maulwurf, ein Verräter. Sie haben zuerst einmal Angst. Da nimmt sich der besagte Barnabas dieser Sache an und nimmt Paulus bei sich auf.
Barnabas, der Sohn des Trostes, hat keine Angst. Er glaubt daran, dass sich Menschen ändern können, und genau das spürt er bei Paulus. Aus Saulus, dem Christenverfolger, ist Paulus der Christ geworden. Und Barnabas baut ihm eine Brücke in die Gemeinde hinein. Was für ein Segen! Und auch, dass er später immer wieder Brücken gebaut hat, als es Streit in der Gemeinde gibt. So einen Brückenbauer könnten wir heute auch gut brauchen, einen Sohn oder eine Tochter des Trostes, die andere zusammenbringt und ihnen Mut macht.
Vielleicht kann ich heute selbst jemanden ermutigen oder trösten. Oder mit dazu beitragen, dass zwei Menschen sich ein wenig besser verstehen und wieder ein Stück zusammenfinden.
Und ich möchte, wie Barnabas daran glauben, dass Menschen sich mit Gottes Hilfe ändern können.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5 : )
Ihr Pastor Heinz-Bernd Meurer aus Velbert.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
