Beiträge auf: wdr3
Kirche in WDR 3 | 09.09.2026 | 07:50 Uhr
Biene Maja
50 Jahre ist das schon her: „Die Biene Maja“ flimmerte, bzw. summte in Deutschland über den Fernsehbildschirm. Und keine Sorge: Wir schalten hier gerade nicht ins Kinderprogramm. Auch wenn schon mir damals die kluge Biene den TV-Nachmittag versüßte – und ihre Begleiter: Drohne Willi und Grashüpfer Flip. Und dieser Kirchenbeitrag handelt auch nicht davon, dass der Sänger der berühmten Titelmelodie bekanntlich „Gott“ hieß – Karel Gott.
Nein, von „dieser Biene, die ich meine“, habe ich erst jetzt – zum Jubiläum – die Vorgeschichte kennengelernt. Und die ist spannend – und auch nicht ganz ohne. Die Zeichentrickserie geht zurück auf den Bestseller: „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ des Autors Waldemar Bonsels aus dem Jahr 1912. Und schon 1925 gab es eine erste Verfilmung, und zwar als Stummfilm. Da wurden real lebende Insekten in Aktion gezeigt. Zwischen die Sequenzen stellten die Filmemacher einzelne Texttafeln, die Bonsels Geschichte der Biene Maja erzählten. Dramatischer Höhepunkt war dann die Schlacht zwischen den Bienen und Hornissen. Der Film ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch ein Meilenstein der Dokumentarverfilmung.[1]
Waldemar Bonsels war damals auf der Höhe seines Erfolgs. Aber zur Geschichte gehört leider auch, dass der Erfinder der Biene Maja ein Mitläufer des Nationalsozialismus wurde und nach dem zweiten Weltkrieg sogar kurze Zeit nicht mehr publizieren durfte.[2] Vor diesem Hintergrund lesen sich dann der Krieg mit den Hornissen und auch Passagen aus dem Buch auf einmal ganz anders, wenn es da aus dem Mund von Majas Lehrerin Kassandra heißt:
„Die erste Regel, die eine junge Biene sich merken muss, ist, dass jede in allem, was sie denkt und tut, den anderen gleichen und an das Wohlergehen aller denken muss. Es ist … die einzige Grundlage für das Wohl des Staates.“[3]
Das klingt vielleicht nach Solidarität und Verantwortung, aber zugleich auch nach Uniformität, Unterordnung und Aufgabe der Individualität und Freiheit. Auch wenn Maja kurz darauf sagt:
„Ich bin nicht, wie die anderen Bienen sind, mein Herz ist für Freude und Überraschungen, für Erlebnisse und Abenteuer bestimmt. Ich will keine Gefahren fürchten, habe ich nicht Kraft und Mut und einen Stachel?“[4]
Letzteres klingt martialisch und kampfbereit. Kein Wunder, dass das Buch bereits im ersten Weltkrieg zu einer der beliebtesten Lektüre der Soldaten zählte.[5]
Der Zeichentrickserie vor 50 Jahren merkt man das alles nicht an. Das ZDF stellte damals bewusst andere Werte in den Vordergrund: die Freude an der Schöpfung und die Bedeutung von Freundschaft. Und das sind hohe Werte, nicht nur für Christen.
Ein Wert, der Bienen zugesprochen wird, der ist ja quasi sprichwörtlich: Das ist der „Fleiß“. Und ausgerechnet der wird jedes Jahr in der wichtigsten Nacht der Christenheit besungen: beim sogenannten „Exsultet“, dem feierlichen Loblied der Osternacht. Denn – so heißt es da: dem Fleiß der Bienen verdanken wir den Wachs, aus dem die Osterkerze gemacht wird. Ich habe das schon oft vorgesungen. Und so manches Mal dachte ich da an Maja. Aber an die aus der Zeichentrickserie, die mir als Kind Werte wie Freundschaft und Sorge für die Schöpfung vermittelte, und eben nicht an die politisch eher zwielichtige Ursprungsgestalt.
Aus Duisburg grüßt Sie Pater Philipp Reichling
[1] Vgl.: https://waldemar-bonsels-stiftung.de/wp-content/uploads/2020/12/magazin_neue_bildpost_kath._sonntagszeitung_mai_2020.pdf .
[2] Vgl. ebd.
[3] Waldemar Bonsel, Die Biene Maja und ihre Abenteuer, München 2023, 9f.
[4] Ebd., 15.
[5] Vgl.: https://izi.br.de/deutsch/publikation/televizion/28_2015-2/Goetz-Biene%20Maja.pdf .
